„… des Lied ich sing?“ Politischer Wille und (Volks-) Kulturförderung in Österreich

Maria Walcher, Lenzburg, 16. Mai 2008

Die Volkskultur in Österreich konnte sich in den vergangenen 2 Jahrzehnten in vielen Bereichen erfolgreich vom Stigma einer nationalsozialistischen Propagandakultur befreien. Das ist nicht zuletzt auf Professionalisierungsstrategien zurückzuführen, die in einzelnen Bundesländern als sichtbare Zeichen eines politischen Willens gesetzt wurden.

Anhand des größten Bundeslandes Niederösterreich lässt sich ein spezieller Weg demonstrieren, der die vereinsmäßig organisierte traditionelle Kultur aus einer stiefmütterlichen Situation zu einem gleichwertigen Segment im Kulturbetrieb aufsteigen ließ.
Schließlich war es ja gerade die Volkskultur, die als Präsentations- und Repräsentationskultur wesentlich zur Identifizierung und emotionellen Wahrnehmung des europäischen Konzeptes „Europa der Regionen“ beigetragen und damit die Bundesländer in ihren Bestrebungen, sich im nationalen Verband zu profilieren, unterstützt hat.

So erfreulich sich der eklatante Anstieg der Subventionen für das Vereinswesen auch auswirken mag, so diskussionswürdig sind letztendlich die kulturpolitischen Auswirkungen. Die mittlerweile etablierten Strukturen lassen wenig Freiraum für neue Ansätze und können nur schwer auf gesellschaftliche Entwicklungen wie zum Beispiel Migration reagieren. Darüber hinaus ist die Festschreibung von Volkskultur auf musische Inhalte eine grobe Einschränkung des traditionellen Wissens und wird immer wieder für politische und touristische Zwecke auf Klischees beschränkt.

Mit der UNESCO-Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes eröffnen sich für diesen Bereich neue Zugänge, die neben einer „Schaufensterkultur“ kulturelle Wissensvermittlung in höchst brisanten Themen wie Gesundheitswesen, Klimawandel etc. in den Fokus stellen und damit zu einer Neueinschätzung von „Volkskultur“ führen können.

Zurück