Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Aperschnalzen im historischen Rupertiwinkel

Antragsteller: Ing. Ernst Müller, Ehrenobmann Schnalzergruppe Wals
Bundesland: Salzburg
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2013

Das „Aperschnalzen” bezeichnet einen über 200 Jahre alten Brauch im historischen Rupertiwinkel, der heute in mehreren Ortschaften zu beiden Seiten der Grenzflüsse Saalach und Salzach, also in Bayern und Salzburg, praktiziert wird. Zwischen Stephanitag (26. Dezember) und Faschingsdienstag schnalzen die „Passen” (Gruppen von neun Personen) bei ihren Treffen mit ihren „Goaßln” (Peitschen, vom althochdeutschen „Geisla”) so oft hintereinander, bis sie einen bestimmten Takt hervorbringen. Neben dem Schnalzen bei großen offiziellen Veranstaltungen stellen die Brauchtumswettbewerbe, die sogenannten „Gemeindeschnalzen“ und das einmal jährlich stattfindende „Rupertigau-Preisschnalzen“, Höhepunkte der Gemeinschaft der Passen dar.

Das „Aperschnalzen“ ist ein aus der kunstvollen Handhabung der Peitschen entsprungener Brauch, der aus Zeiten stammt, in denen der Umgang mit Tieren wesentlich den Alltag prägte. Fuhrleute, Bauern und Viehhirten erlangten große Fertigkeit im Umgang mit Peitschen und führten diese auch bei besonderen Anlässen im Wettbewerb vor. Zudem bestehen die Deutungen, dass durch das laute Knallen der Peitschen der Winter vertrieben und der Frühling und die unter der Schneedecke liegende Saat zu neuem Leben erweckt werden sollte. So leitet sich die Bezeichnung „Aper“ auch von dem althochdeutschen Wort „aprir“ – „schneefrei“ – ab.

Belege für das Aperschnalzen im Winter reichen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Etwas später – zu Beginn des 20. Jahrhunderts – wird das Aperschnalzen zeitlich in die Faschingszeit gesetzt und das wettbewerbsmäßige Schnalzen erhielt einen Aufschwung. Institutionell wurde die Schnalzervereinigung Rupertiwinkel 1957 gegründet und besteht aus den nach den Ortsnamen benannten Schnalzergruppen – selbständige, registrierte Vereine, die sich wiederum in einzelne Schnalzerpassen zu je neun Personen (Frauen wie Männer) gliedern. Die einzelnen Passen trainieren regelmäßig und treten zweimal im Jahr zu verschiedenen Preisschnalzen an. Nach dem örtlichen Gemeindeschnalzen folgt immer am Sonntag vor dem Faschingssonntag das große, salzburgisch-bayrische Rupertigau-Preisschnalzen, dessen Austragungsort jedes Jahr wechselt und ein wichtiges identifikatorisches Ereignis der Region darstellt.

Beim Preisschnalzen stehen die Passen in einer Reihe, jeweils mit einem Abstand von 10 m. Als erster Schnalzer steht der „Aufdraher“, der den Auftakt gibt. Die Goaßln werden aus Flachs gedreht, sind ca. 4 m lang und am Stiel bis zu 5 cm stark. Am Ende der Peitsche ist Bast eingeflochten, wodurch durch eine zusätzliche, rasche Richtungsänderung der charakteristische Knall erzeugt wird.
Bei Preisschnalzen tritt jede Passe einzeln auf. Der Aufdraher hat die schwächste, der letzte Teilnehmer die stärkste Goaßl. In den zwei Durchgängen schnalzt jeder Schnalzer jeweils neun- oder elfmal. Zum Abschluss schnalzen alle Teilnehmer (oft 500-600) im gleichen Takt den „Pasch“. Sieben Preisrichter beurteilen nach einem bestimmten Punktesystem die akustische Leistung jeder Passe, ohne die Schnalzer zu sehen. Der Gemeinschaft der Schnalzerpassen stehen bei den Wettbewerben zahlreiche ZuseherInnen gegenüber.

Die Anzahl der Passen konnte sich neben den männlichen Schnalzern auch aufgrund der zunehmenden Teilnahme weiblicher Schnalzerinnen und der Jugendpassen erhöhen. Jede neu gegründete Passe muss jedoch aus der historischen Entstehungsregion des Rupertiwinkels stammen und die Zahl der Passen muss für die Durchführbarkeit der Wettbewerbe beachtet werden. Um den historischen und überregionalen Charakter des Aperschnalzens auch in Hinblick auf gesellschaftliche Veränderungen zu erhalten wird bei den Schnalzergruppen großer Wert auf die Jugendarbeit gelegt. Darüber hinaus wird mit der Weiterführung des Brauches auch das Wissen um historische Handwerkstechniken – etwa die Herstellung und Bearbeitung der Goaßl – weitergegeben.


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