Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Österreichisches Sensenschmieden

Antragsteller: Sensenverein Österreich - Hansjörg Rinner
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien
Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken
Aufnahmejahr: 2014

Die Sense zählte vor der Mechanisierung der Landwirtschaft weltweit zu den wichtigsten Erntegeräten. Auch nach der Einführung von Mähmaschinen blieb sie es für bäuerliche Kleinbetriebe und somit für die regionale Grundversorgung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Günstige wirtschafts-geografische Voraussetzungen (Vorkommen von Eisen, Holz und Wasser) führten in österreichischen Regionen schon in vorindustrieller Zeit zu einem Anwachsen der Sensenerzeugung weit über den Inlandsbedarf hinaus und damit einhergehend zu einem über Jahrhunderte erworbenen Fachwissen, welches die „blaue“ Sense zu einem österreichischen Exporterfolg machte. Mit dem Aufkommen mechanisierter Erntetechniken begann die Industrie des Sensenschmiedens in Österreich jedoch zu stagnieren. Von den etwa 215 Sensenschmieden um 1900 bestehen in Österreich heute nur noch zwei Herstellerbetriebe.

Im 16. Jahrhundert förderte die Entwicklung des Sensenbreitens unter dem Wasserhammer die Verlagerung der Sensenerzeugung an die Flussläufe des waldreichen Alpenvorlandes. Vor allem in der Region Eisenwurzen hatte das Sensenschmieden eine große Bedeutung und es entstand ein spezialisiertes Schmiedehandwerk. Das Sensenschmieden war in elf Zünften organisiert, die das handwerkliche Leben sowie den Export der österreichischen Sensenproduktion regelten und das gesellschaftliche Leben prägten. Um 1900 betrug die österreichische Produktionsmenge pro Jahr etwa zwölf Millionen Stück, wovon allein acht Millionen auf den russischen Markt und zwei Millionen auf den Binnenmarkt der Monarchie entfielen. Mit dem 1. Weltkrieg brach dieses Marktsystem zusammen und der Binnenmarkt schrumpfte auf etwa 230.000 Stück. Die erfolgreiche Wiedererschließung des russischen Marktes nach 1918 führte kurzfristig zu einer Blütezeit, bis 1928 ein sowjetischer Importstopp zum Ruin vieler Werke führte. Die verbliebenen Betriebe der damals florierenden Produktion befinden sich heute in Rossleithen/Oberösterreich und Wolfsberg/Kärnten. Die Jahresproduktion liegt heute im Bereich von etwa 250.000 bis 300.000 Stück. Wie in der Vergangenheit ist das Freiformschmieden des Sensenblattes der wesentliche Arbeitsgang der Herstellung. Entsprechend den Erntebedingungen in den Abnehmerländern entstand über die Jahrhunderte eine Vielzahl unterschiedlicher Sensenformen. Noch immer werden auch marktspezifische Sensenformen produziert, die von historischen Vorbildern geprägt sind. Nicht nur dieses spezielle Wissen über die Produktion, sondern auch um die internationale Nachfrage ist exklusiver Bestandteil der österreichischen Sensentradition. Die Sense ist in Schwellenländern noch immer weit verbreitet, da sie zur Nahrungsversorgung durch eine kleinbäuerliche Landwirtschaft in ökologischer und sozialer Hinsicht viele Vorteile gegenüber einer Mechanisierung bietet. Darüber hinaus kann sie in steilen Hanglagen auch in den entwickelten Ländern bis heute nicht ersetzt werden.


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