Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Liebstattsonntag in Gmunden

Antragsteller: Trachtenverein „Traunseer“ Gmunden, Obmann Franz Wolfsgruber
Bundesland: Oberösterreich
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2014

Der Ursprung dieses Brauches wird in der 1641 in Gmunden neu aufgerichteten „Corpus Christi Bruderschaft“ gesehen, die bis ins 18. Jahrhundert Bestand hatte und deren Aufgabe es war das religiöse Leben in der Stadt zu vertiefen. Einmal jährlich, am vierten Fastensonntag, wurde von dieser Bruderschaft eine Versammlung abgehalten und dabei das Gelöbnis der Glaubenstreue und der brüderlichen Liebe, das „Liabb´státt´n“ (Liebe bestätigen), erneuert. Im Laufe der Zeit wandelte sich dies zu einem Liebe abstatten. Der Liebstattsonntag in Gmunden wird heute noch jedes Jahr am vierten Fastensonntag begangen. Die beiden Trachtenvereine von Gmunden, sowie die Goldhauben- und Kopftuchgruppe, treffen sich um neun Uhr zum Kirchgang in die Stadtpfarrkirche. Im Anschluss daran formiert sich ein Festzug mit Musikkapelle, der zum Rathausplatz marschiert. Nach einer kurzen Begrüßung und Erklärung des Brauchs verschenken die Vereinsmitglieder verzierte Lebkuchenherzen an die Bevölkerung und Gäste.

Der Ursprung des gegenreformatorischen Brauches ist wohl eine durch den Passauer Bischof 1641 erfolgte Bestätigung der bis Ende des 18. Jahrhunderts in Gmunden nachweisbaren „Corpus-Christi-Bruderschaft“, die am Sonntag Lätare ihre Jahresversammlung abhielt und deren Mitglieder einander brüderliche Liebe gelobten. Es wird vermutet, dass spätestens mit der Auflösung der Bruderschaft der Brauch seine religiösen Wurzeln endgültig verlor, denn in einem 1846 erschienenen Büchlein über Ischl und Umgebung liest man, dass an diesem Tag in Gmunden alte Liebe aufgesagt oder durch ein Geschenk und ein Glas Met für ein weiteres Jahr bestätigt wurde. Pater Amand Baumgarten schreibt 1860 in seiner oberösterreichischen Brauchmonographie, dass der Sonntag Lätare oder Mitfasten in Gmunden als der ‚Liebstattsonntag’ gilt, „wo die Liebenden einander bstatn, an verabredeter Stätte treffen. Die Burschen führen die Mädchen zu Lebkuchen und Met.“ Daran scheint sich bis in die beginnende Zwischenkriegszeit wenig geändert zu haben. Nach einer kurzen Phase stieg nach Ende des Zweiten Weltkrieges das Interesse und das „Liebe abstatten“ in Form eines verzierten Lebkuchenherzens nahm wieder eine wichtige Rolle in der Bevölkerung ein. Schon einige Wochen vorher werden die Liebstattherzen selbst gebacken und verziert oder bei den Gmundner Konditoren gekauft – wobei ein Teil dieser für die Vereine kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Am Festtag treffen sich die Vereine, alle in Ihren Vereinstrachten (Fest-, Jung-, Bürgertracht und Goldhaube, sowie Kopftuch, Schwammerl- und Salzträgertracht) zum Kirchgang in die Stadtpfarrkirche, wo seit dem Jahre 1977 mit einigen Ausnahmen, die „Bauernmesse“ gesungen wird. Im Anschluss daran formiert sich ein Festzug, voran abwechselnd die „Stadtkapelle Gmunden“ oder die „Werkskapelle Laufen Gmunden Engelhof“, um gemeinsam auf den Rathausplatz zu marschieren. Nach der Begrüßung durch die „Stadtväter“ und einer kurzen Beschreibung des Brauches durch den Obmann der „Traunseer“, werden die mitgebrachten Herzen verschenkt bis die Körbe leer sind. Der Trachtenverein „Traunseer“ besucht seit ungefähr 1977 auch die Krankenhäuser, Altenheime und soziale Einrichtungen der Stadt, um dort an Patienten, Personal und Bewohner Liebstattherzen zu verschenken. Diese werden von der Stadtgemeinde und der Ferienregion Traunsee zur Verfügung gestellt. Seit dem Jahre 2009 werden auch die Volksschulen besucht, um den Kindern den Brauch näher zu bringen.


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