Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Reither Nikolausspiel

Antragsteller: Johann Hechenblaikner im Auftrag der „Bundesmusikkapelle Reith im Alpbachtal“ und von Max Feichtner (Besitzer des Nikolausspiel-Manuskripts)
Bundesland: Tirol
Bereich: Darstellende Künste
Aufnahmejahr: 2014

Das Reither Nikolausspiel findet im Abstand von sieben Jahren in Reith im Alpbachtal statt. Der älteste Hinweis auf dieses Volksschauspiel stammt aus dem Jahr 1868, wobei die Grundlage für die heutige Fassung bereits 1875 verschriftlicht wurde. Diese im Kern kirchlich-pädagogische Aufführung wurde bis 1919 als Stubenspiel aufgeführt, bei dem örtliche Laiendarsteller in Reith von Bauernhof zu Bauernhof zogen und einzelne Szenen spielten. Das Reither Nikolausspiel besteht aus zwölf für die Nordtiroler Varianten typischen Szenen („Bilder“ genannt), in denen die Auflehnung der Armen gegen die Reichen und Mächtigen sowie der Kampf zwischen Gut und Böse dargestellt werden.

Nikolausspiele sind im 18. Jahrhundert in vielen Orten belegt und erreichten in dieser Zeit auch ihre Blüte. In vielen Orten zählten derartige Aufführungen zum vorweihnachtlichen Brauchrepertoire und hatten ihren festen Bestandteil im dörflichen Leben. Nikolaus und Krampus sind die zentralen Figuren, ihr Auftreten wird allerdings in eine Reihe von heiter-satirischen Szenen eingebettet, die durch stereotype Genregestalten, wie sie auch in anderen Bräuchen des Alpenraums vorkommen (Ölträger, Bauer etc.), und Typen aus dem regionalen Volksleben geprägt sind. Diese moralischen Geschichten sind Spiegelbilder gesellschaftlicher Norm- und Wertvorstellungen, die auf die Jesuitenmission während der Zeit der Gegenreformation zurückgehen. Inhalt dieser traditionellen Nikolausspiele ist das allgemein bekannte „Jedermann“-Motiv. In diesem Sinne sind die Spiele weniger auf Kinder als vielmehr auf erwachsenes Publikum ausgerichtet. Im 18. Jahrhundert verlagerte sich das Volksschauspiel dann auf Bühnen in Gasthäusern, wobei im Laufe des späten 19. bzw. frühen 20. Jahrhunderts die meisten Spiele zum Erliegen kamen. Die damals neue Popularität der „Bauerntheater“ war eine zu große Konkurrenz. Seit 1919 werden auch in Reith nicht mehr einzelne Bilder in den Stuben gespielt, sondern das gesamte Stück mit seinen zwölf Bildern auf einer Bühne im Theatersaal des Gasthaus Stockerwirt in Reith im Alpbachtal aufgeführt. Das Nikolausspiel in Reith ist heute das einzige, welches auf eine fortlaufende Dauer verweisen kann. Dies dürfte wesentlich mit der Übernahme der Spielorganisation durch die Musikkapelle zusammen hängen. Das Theater erhielt mit dem Verein eine institutionelle Grundlage. Das Manuskript von 1875 befindet sich noch im Besitz der Familie des Verfassers und dient heute noch als Spielvorlage. Die Kostüme und Bühnenbilder wurden jedoch immer wieder erneuert und die musikalische Umrahmung im Jahr 2004 ergänzt. Im Gegensatz zu anderen Bräuchen wird das Nikolausspiel nicht ausschließlich von Männern dargestellt, auch weibliche Mitglieder sind Teil der Aufführung.


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