Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Laßnitzer Volksschauspiele

Antragsteller: Raphael Bacher, Mag. Alfred Baltzer
Bundesland: Kärnten, Steiermark
Bereich: Darstellende Künste

Die Laßnitzer Volksschauspiele werden in unregelmäßigen, mehrjährigen Abständen in Steirisch Laßnitz aufgeführt. Wann die Spiele entstanden sind und wer sie verfasst hat, ist nicht bekannt. Schriftliche Aufzeichnungen gibt es seit dem 19. Jahrhundert, davor wurden die Stücke mündlich überliefert. Alle Stücke haben altes Brauchtum und mittelalterliche Glaubensinhalte der christlichen Weihnachts- und Osterliturgie zum Inhalt. Von einer ursprünglichen Vielzahl von Spielen stehen heute nur mehr fünf zur Verfügung. Eine Besonderheit der Laßnitzer Volksschauspiele ist die Bedeutung des Gesangs, die Schauspieler müssen deshalb auch gesangliches Talent und Musikalität mitbringen. Gesprochen und gesungen wird in alter Mundart, Gestik und Mimik sind weitestgehend vorgegeben.

Die Laßnitzer Volksschauspiele weisen eine über 200jährige Tradition auf - unbestätigte, mündliche Quellen gehen sogar von mehr als 400 Jahren aus. Die Ursprünge liegen in der Liturgie und im mittelalterlichen Mysteriendrama. Vermittelt werden Geschehnisse und Gleichnisse aus der Bibel, aus Heiligenlegenden, aus Sagen und Volkserzählungen. Die Texte werden in alter Mundart in Prosa oder Reimform und häufig als Lied vorgetragen.

Früher wurden die Laßnitzer Volksschauspiele in bäuerlichen Stuben und später auch in Gasthäusern aufgeführt. Heute gibt es im Kultursaal eine Bühne auf der ungefähr alle drei Jahre ein Spiel inszeniert wird. Als Kulisse dient dabei immer ein schlichter Vorhang, Bühnenbilder gibt es keine und auch Requisiten werden sehr sparsam eingesetzt, was eine fantasievolle Auseinandersetzung mit dem Spielgeschehen vom Publikum verlangt. Für die Bewahrung der Texte, die Terminfestlegung der Aufführung sowie die Auswahl der Stücke und der SchauspielerInnen ist der Spielleiter zuständig.

Ursprünglich gab es eine Vielzahl an Stücken, die überwiegend in Vergessenheit geraten sind. Heute stehen nur mehr fünf zur Auswahl: „Das Spiel vom reichen Prasser und dem armen Lazarus“ gilt als das älteste und wird zusammen mit dem „Schäferspiel“ aufgeführt. Das „Paradiesspiel“ zeigt die Erschaffung des Menschen, die Vertreibung aus dem Paradies sowie die Erlösung durch Gottes Sohn. Das „Hirtenspiel“ stellt die Geburt Jesu von der Verkündigung des Engels an Maria bis zur Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten dar und das „Genovevaspiel“ handelt von der Legende der Pfalzgräfin Genoveva von Brabant.


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