Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Lichtbratlmontag in Bad Ischl

Antragsteller: Hannes Heide, Bürgermeister der Stadtgemeinde Bad Ischl
Bundesland: Oberösterreich
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2011

Alljährlich am Montag nach Michaeli (29. September) wird in Bad Ischl der Lichtbratlmontag begangen. Dieser bezieht sich auf einen Brauch, bei dem früher der Meister seinen Mitarbeitern ein „Bratl“ spendierte, da an diesem Tag erstmals wieder mit künstlichem Licht gearbeitet werden musste. Heute handelt es sich um ein Jahrgangstreffen aller runden Jubilare ab 50 eines jeweiligen Jahres, die in Bad Ischl geboren sind oder dort ihren Hauptwohnsitz haben.

Die Jubilare werden von einem Komitee aus den Reihen der 50er eingeladen und begehen mit einem gemeinsamen Kirchgang und einem Ausflug den feierlichen Tag. Ab Mittag werden Geschäfte und Ämter geschlossen und auch die Arbeitgeber laden zum „Lichtbratl“. Die Tradition des Bad Ischler Lichtbratlmontags wird, mit kurzen Unterbrechungen durch die beiden Weltkriege, bereits seit über 100 Jahren praktiziert.

Der Lichtbratlmontag ist als jährlich wiederkehrendes Fest ein wichtiger Bestandteil des Bad Ischler Jahresablaufs. Im Laufe der Zeit hat er sich zum lokalen Feiertag entwickelt, an dem die ganze Stadt teilnimmt und sogar die Amtsgeschäfte für ein paar Stunden stillstehen. Es handelt sich um ein beliebtes Großereignis, welches regen Zustrom erfährt. Die Teilnahme am Lichtbratlmontag steht nur den Bürgerinnen und Bürgern von Bad Ischl beziehungsweise den hier Geborenen offen und besitzt somit eine identitätsstiftende Wirkung. Der Lichtbratlmontag kann als wesentliches und prägendes Element des lokalen Kulturerbes bezeichnet werden.

Das Element wird von einer Generation an die nächste weitergegeben. Traditionell wird die Organisation des Lichtbratlmontags jedes Jahr vom Jahrgangskomitee der Fünfziger an den nächsten Jahrgang übergeben. Die generationenübergreifende Wirkung ist durch die Einbindung aller Altersstufen als Gratulanten gewährleistet.

Der Ursprung des Lichtbratlmontags liegt in dem Brauch begründet, bei dem Meister oder Firmeninhaber seinen Mitarbeitern zum Montag nach Michaeli ein „Bratl“ spendierte anlässlich der Notwendigkeit wieder bei künstlichem Licht arbeiten zu müssen. Das genaue Entstehungsjahr des Lichtbratlmontags als Jahrgangsfeier kann heute nicht mehr nachvollzogen werden. Sicher ist, dass der Lichtbratlmontag in seiner heutigen Form um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert schon bestand. Damals waren jedoch nur die fünfzig- und sechzigjährigen Jubilare in das Geschehen eingebunden. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Teilnehmenden um weitere runde Jubilare erweitert. Auch die Einbindung der Arbeitgeber ist ein neu hinzugekommenes Element. Diese geben ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Lichtbratlmontag frei. Im Laufe der Zeit hat sich auch das Ausmaß an Geschenken an die Jubilare verändert. Waren früher lediglich Blumengaben üblich, so sind heute Lebkuchenherzen und andere Präsente und Anerkennungen hinzugekommen.

Neben seiner identitätsstiftenden Wirkung für die Bad Ischler und Bad Ischlerinnen weist der Lichtbratlmontag eine hohe Kontinuität auf, die nur durch die Jahre der beiden Weltkriege unterbrochen wurde.

Beim Lichtbratlmontag nimmt neben der historischen auch die soziale Dimension eine wichtige Rolle ein. Gemeinsame Unternehmungen wie ein Kirchgang, ein Ausflug sowie geselliges Beisammensein gleicher Jahrgänge stehen im Mittelpunkt. Dabei ist die ganze Bevölkerung eingeladen, an den Feierlichkeiten teilzuhaben und bereits die Allerjüngsten sind als Gratulanten aktiv eingebunden.

Der Bad Ischler Lichtbratlmontag könnte einerseits durch Nachahmung in anderen Gemeinden und andererseits durch eine Übertreibung der Zuwendungen an die Jubilare gefährdet sein.


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