Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Stille Nacht - das Lied zur Weihnacht

Antragsteller: MMag. Michael Neureiter i.V. Stille-Nacht-Gesellschaft
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2011

Das im Jahr 1818 komponierte Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ bildet für zahlreiche Menschen einen Fixpunkt des Heiligen Abends und ist aus Feiern im Familien- und Freundeskreis sowie kirchlichen Feiern, insbesondere der Christmette, nicht wegzudenken. Für viele ist es der Inbegriff des Weihnachtsliedes überhaupt.

Das gemeinsame Singen und Musizieren wird von Kirchengemeinschaften verschiedener Konfessionen, Chören, Gesangsvereinen, Kindergärten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen gleichermaßen praktiziert und anregt. Die Weitergabe erfolgt von einer Generation zur nächsten innerhalb der verschiedenen Gemeinschaften, Verbände und Familien. „Stille Nacht!“ ist konfessions- und nationenübergreifend, wurde mittlerweile in etwa 300 Sprachen übersetzt und verbreitet weltweit die Weihnachtsbotschaft der Geburt Christi.

„Stille Nacht! Heilige Nacht!“ ist nicht nur in Stille-Nacht-Gemeinden (wie Berndorf, Burghausen, Fügen, Hallein, Hochburg-Ach, Lamprechtshausen/Arnsdorf, Laufen, Mariapfarr, Oberndorf bei Salzburg, Salzburg, Wagrain etc.) und den angrenzenden Regionen, sondern auch in den restlichen österreichischen Bundesländern, stark verbreitet. Es ist Bestandteil der weihnachtlichen Festkultur, in vielen Kirchengesangsbüchern verschiedener Konfessionen enthalten und gehört zum Grundbestand schulischer, kirchlicher und privater Weihnachtsfeiern. Als Trägerinnen und Träger fungieren neben der Stille-Nacht-Gesellschaft, den Pfarren, Tourismusverbänden, Chören, Kindergärten, Schulen und zahlreichen anderen Institutionen auch unzählige Familien und Einzelpersonen.

Das Lied wird seit seiner Entstehung vor bald 200 Jahren von Generation zu Generation im Familienkreis sowie innerhalb der erwähnten Trägerinstitutionen weitergegeben.

Die Entstehung des Weihnachtsliedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ ist von zahlreichen Anekdoten und Legenden umrankt. Fest steht, dass der Text 1816 von Joseph Mohr in Mariapfarr im Salzburger Lungau verfasst und zwei Jahre später von Franz Xaver Gruber mit einer Melodie versehen wurde. Die „Urfassung“ des Lieds ist nicht erhalten geblieben, lässt sich aber aufgrund einer eigenhändigen Niederschrift des Textdichters Mohr und Abschriften rekonstruieren. Bei der so genannten „Originalfassung“ handelt es sich um eine Mischfassung aus dem 20. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit war das Lied zahlreichen musikalischen und textlichen Umgestaltungen unterworfen und wurde mehrmals übersetzt und adaptiert. Immer wieder wurden neue Arrangements und Abschriften herausgegeben. Heute setzt vor allem die Stille-Nacht-Gesellschaft in Salzburg zahlreiche überregionale Initiativen in der Öffentlichkeits- und Medienarbeit und bemüht sich um die Herausgabe begleitender Materialien.

Aufgrund seiner sich über zwei Jahrhunderte erstreckenden Rezeptionsgeschichte in verschiedenen Teilen der Erde lässt sich von einer hohen Kontinuität sprechen. Das Lied hat eine stark identitätsstiftende Komponente für die Praktizierenden. Es ist ein fixer Bestandteil des Heiligen Abend sowie der Christmette.

Das Lied thematisiert den Wunsch der Menschen nach allumfassenden Frieden, vermittelt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und fördert den zwischenmenschlichen Austausch und das gegenseitige Verständnis. Es hat eine generationsübergreifende, verbindende Wirkung und vereint verschiedene Altersstufen, Konfessionen und Kulturen, zu deren Festkultur das Lied gleichermaßen gehört.

Seitens der Stille-Nacht-Gesellschaft werden vier potenzielle Risikofaktoren für die Bewahrung von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ identifiziert. Da die Verkürzung auf einzelne Melodieteile, Bruchstücke oder nur die erste Strophe auch die Botschaft des Liedes abschwächt, legt die Gesellschaft einen ihrer Arbeitsschwerpunkte auf die Förderung und Verbreitung aller sechs Strophen des Liedes. Ein zweiter Risikofaktor wird in der Kommerzialisierung des Liedes gesehen. Auch die Herauslösung des Liedes aus seinem historischen Kontext und die Nichtbeschäftigung mit seiner Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte verhindern, dass das Lied in seiner Gesamtheit verstanden werden kann. Ebenso können sich Änderungen des Textes negativ auf das Verständnis der Botschaft von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ auswirken. MMag. Michael Neureiter, Präsident der Stille-Nacht-Gesellschaft, erklärt die Zielsetzung folgendermaßen: “Wir wollen das Lied, seine Herkunft und seine Botschaft in den Herzen und in den Köpfen der Einheimischen und der Besucher aus aller Welt zum Klingen bringen!”

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