Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Murauer Faschingrennen

Antragsteller: Mag. Alfred Baltzer und Ing. Rudolf Paschek, i.V. Arbeitskreis Volkskultur Murau
Bundesland: Steiermark
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2011

Dieser kräfteraubende und aufwändige Umzug- und Heischebrauch wird in regelmäßigen Abständen von zwei bis fünf Jahren an einem bestimmten Tag im Jahr, meist am Faschingsmontag, in mehreren Orten im Bezirk Murau ausgeübt. Die Ausstattung der Faschingrenner erinnert an die einstige Kleidung der Drescher. Dennoch weisen das äußere Erscheinungsbild und die Anzahl der Faschingrenner und ihrer Begleitfiguren geringfügige örtliche Unterschiede auf. Die mitwirkenden Gruppen und Einzelfiguren bewegen sich entweder auf Fahrzeugen oder zu Fuß von Hof zu Hof und müssen vor dem Einlass Hindernisse bewältigen: entweder eine gespannte Kette (Speng) überwinden oder die Herausforderung zum Zweikampf annehmen. Insgesamt werden bis zu 30 Kilometern zurückgelegt. Um 19 Uhr müssen alle Gruppen bei der Kirche sein, wo ein Abschluss-Kranzl gelaufen wird.

Als Brauchträger fungieren je nach Gemeinde entweder örtliche Vereine wie die Landjugend, Feuerwehr oder Musikvereine oder aber auch nicht vereinsmäßig organisierte Zusammenschlüsse der männlichen Dorfbevölkerung, die sich ausschließlich zum Faschingrennen zusammenfinden. Auch die BewohnerInnen der besuchten Häuser und Höfe sowie die umstehenden Personen werden in das Geschehen eingebunden, kennen die Einzelheiten und wissen, wie sie zu handeln haben.

Innerhalb der Faschingrenner sind alle Alters- und Sozialschichten vertreten. Für die männliche Jugend gilt es als Ehrensache, dabei zu sein, durchzuhalten, sich in der jeweiligen Rolle zu bewähren und im Lauf der Zeit eine höhere Position innerhalb der vorgegebenen Hierarchie zu erlangen. Es ist auch eindrucksvoll zu erleben, dass sich während einer Bewirtungspause der Faschingsrenner der männliche Nachwuchs der Orte an der Überwindung der Kette versucht.

Sinkende Bevölkerungszahlen sowie die Vereinnahme der Faschingrennen durch den Tourismus zählen laut Antragsteller zu den möglichen Risikofaktoren der Bewahrung dieser Tradition.


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