Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Wissen um die Haselfichte als Klangholz

Antragsteller: Kassian Erhart, Verein Forum Haselfichte
Bundesland: Tirol
Bereich: Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum
Aufnahmejahr: 2011

Haselfichten mit ihrem genetisch verankerten Haselwuchs kommen meist in den Waldbeständen der Alpen über 1200 Meter Meereshöhe vor. Nur wenige Holzfachleute sind imstande, diese Holzqualität am stehenden Baum zu erkennen. Eindeutig zu bestimmen ist die Haselfichte, wenn man ein Stückchen Rinde entfernt – und zwar an den in Längsrichtung verlaufenden Rillen. Aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften wird das Holz der Haselfichte seit jeher für den Instrumentenbau, bei dem höchste Ansprüche an die Holzqualität gestellt werden, verwendet.

Bereits im 17. Jahrhundert wurde von den Geigenbauern erkannt, dass Nadelhölzer aus den Hochlagen der Alpen die besten Resonanzeigenschaften besitzen und optimal zur Klangverstärkung von Saitentönen geeignet sind. Auch für italienische Geigenbauer wie Antonio Stradivari ist diese Art der Holzauswahl überliefert.

Seit jeher ist bekannt, dass qualitativ hochwertiges Holz im Winter während der Saftruhe gefällt werden soll. Auch Kenntnisse um die langsame und sorgfältige Trocknung und Lagerung und die weitere Bearbeitung des Holzes wurden von Generation zu Generation weitergegeben.

Heute wird trotz großer und qualitativ hochwertiger Vorkommen der Haselfichte im österreichischen Alpenraum nur ein verschwindend geringer Bruchteil für spezifische, diesem Holz angemessene Zwecke verwendet. Oft werden Bestände auch durch industrielle Schlägerungen nicht beachtet oder unbrauchbar gemacht. Vielfach wird das Tonholz nur mehr bei Händlern in geschnittener statt gespaltener Form bezogen. Auch das Eindringen von fremdem Saatgut in den Lebensraum der Haselfichte hat bislang unbekannte Auswirkungen.

Im Verein Forum Haselfichte haben sich ForstbeamtInnen, WissenschaftlerInnen, InstrumentenbauerInnen, BildhauerInnen, ArchitekturInnen etc. zusammengeschlossen, um alle Interessierten zu vernetzen, das alte Wissen zu sammeln, schriftlich zu dokumentieren, wissenschaftlich aufzuarbeiten und in die Försterausbildung einzubringen. Seit etwa acht Jahren beschäftigen sich – gefördert durch den Verein – auch österreichische KünstlerInnen speziell mit diesem Holz und schaffen neuartige Klangskulpturen und Instrumente, welche von BerufsmusikerInnen in öffentlichen Aufführungen schon mehrfach bespielt wurden.

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