Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Fasnacht Nassereith - Schellerlaufen

Antragsteller: Obmann Spielmann Gerhard im Namen vom Fasnachtskomitee Nassereith für die Gemeinschaft der Nassereither Fasnacht
Bundesland: Tirol
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2012

Bei der Fasnacht Nassereith, seit 1951 auch als „Schellerlaufen“ bezeichnet, handelt es sich um einen Fasnachtsbrauch, welcher in einem Intervall von drei Jahren in der Ortsgemeinde Nassereith, Bezirk Imst/Tirol, an einem Tag zwischen dem Dreikönigstag (6. Jänner) und Aschermittwoch stattfindet. Im Zentrum der Nassereither Fasnacht steht der Umzug, welcher sich durch seine Farbenpracht und die typischen Holzlarven auszeichnet. Dabei wird das Schellerlaufen nach genau überlieferten Regeln durchgeführt und das Wissen um die Herstellung der Masken, Kostüme und Fasnachtsutensilien von Generation zu Generation weitergegeben. Für die Organisation und Abwicklung der Fasnacht wird seit dem Jahr 1923 ein Fasnachtskomitee für die Dauer von 6 Jahren gewählt.

Die genaue Herkunft der Nassereither Fasnacht ist nicht bekannt. Der älteste Hinweis als „unerlaubtes Maskengehen“ findet sich in den Akten des Pfundser Schemenprozesses aus dem Jahr 1775. Die ältesten Bildquellen sind Fotos aus dem Jahr 1905 und den 1920er Jahren.

In den Wochen vor der eigentlichen Fasnacht laufen die Vorbereitungen, bei denen Frauen im Gegensatz zum Schellerlaufen, wo die Teilnahme nur Burschen und Männern erlaubt ist, ebenfalls mitwirken. Am Dreikönigstag werden in der Vollversammlung der „Nassereither Fasnachtler“ die Hauptmasken (Scheller, Bärentreiber, Hexen und Karner) verlost. Diese orientieren sich bis heute an den einzigartigen Holzlarven des Nassereither Bildhauers Franz Josef Kranewitter (1893-1974). Am Sonntag nach dem Dreikönigstag findet das Ritual des „Fasnachtssuachens“ statt. Dabei suchen und begrüßen in einem abendlichen Umzug die „Fasnachtler“ die Nassereither Fasnacht in Form einer Figur namens „Ruaßler“. Am Sonntag vor der Fasnacht findet das Probieren der Schellen statt und zahlreiche Hauptmasken der Fasnacht werden parodiert. In der Nacht vor der Fasnacht ziehen pünktlich ab Mitternacht beim so genannten „Umschlagen“ hunderte DorfbewohnerInnen durch das Dorf und kündigen mit viel Lärm mit Hilfe von Topfdeckeln, Pfannen und Phantasieinstrumenten das Fest an. Dieser Brauch ist eine Erfindung der Frauen, die hier auch aktiv mitmachen.

Um zwölf Uhr mittags des eigentlichen Fasnachtstages beginnt der Auszug der Masken, welche am Hauptplatz des Dorfes den Sieg des Frühlings über den Winter nachspielen und ihrer Freude Ausdruck verleihen. Im Zentrum des Ereignisses steht der Schöne Zug, bestehend aus je einem Scheller, Roller und Kehrer, die von verschiedenen Masken umgeben sind. Die drei Masken vollführen beim Umzug ein „Gangl“ – einen Tanz. Ein Hexenschwur beendet die Darbietung, welche an mehreren Punkten des Dorfes wiederholt wird. Mit dem Betläuten um 18 Uhr werden die Masken abgenommen und die Fasnacht endet.

Es wirken etwa 450 Personen aktiv an der Fasnacht mit. Die tragende Säule stellt dabei das Fasnachtskomitee dar, welches mit seinen 13 Mitgliedern für die Einhaltung des geregelten Fasnachtsablaufes und die Erhaltung der Charakteristika der einzelnen Figuren und Masken zuständig ist.

Das im Jahr 2008 errichtete „Fasnachtshaus“ beherbergt den größten Maskenbestand des Alpenlandes (etwa 350 handgeschnitzte Masken) und präsentiert das Nassereither Schellerlaufen in Form von multimedialen Vorführungen und Fasnachtsutensilien.


Zurück