Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Sakramentsgarden in Tirol

Antragsteller: Karl Wurzer
Bundesland: Tirol
Bereich: Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
Aufnahmejahr: 2013

Die Tiroler Sakramentsgarden wurden vor etwa 500 Jahren nach dem spanischen Vorbild der Corpus-Christi-Bruderschaften gegründet. Ihrer ursprünglichen Tätigkeit als Schutz- und Ehrenbegleitung des Allerheiligsten bei Prozessionen gehen sie bis heute unverändert nach. Im Laufe der Geschichte sind die Tiroler Sakramentsgarden mehrfach aufgelöst worden, wobei an den Orten Thaur, Hall, Volders und Schwaz die Erhaltung der Tradition gelungen ist. In historischer Kleidung und Ausrüstung rücken die vier Garden bei offiziellen kirchlichen und weltlichen Anlässen gemeinsam aus. Die einzelnen Sakramentswachen begleiten zudem private Feiern wie Hochzeiten oder Begräbnisse. Seit jeher übernehmen die Mitglieder auch Tätigkeiten in sozialen und kulturellen Bereichen in ihren Gemeinden.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam es an verschiedenen Orten des Hl. Römischen Reiches zu Übergriffen auf Prozessionen. Zum Schutz des Allerheiligsten wurden in vielen Tiroler Städten und Dörfern Sakramentsgarden eingesetzt. Die Partisaner Garde zu Hall in Tirol stellt dabei die älteste, noch existierende Sakramentswache in Tirol dar und wurde bereits 1523 urkundlich erwähnt. Auf Bestimmung der Erzherzogin Magdalena von Österreich begleitet eine Garde aus Bürgern, gekleidet in spanischer Hoftracht und bewaffnet mit Partisanen bis heute das Allerheiligste. Der Thaurer Partisanerbund wurde 1660 gegründet und trägt die traditionelle Jungmännertracht des 17. Jahrhunderts. Sie sind ebenfalls mit Partisanen bewaffnet. Die Salva Guardia zu Schwaz wurde 1686 erstmals erwähnt. Ihre Mitglieder tragen Uniformen des 19. Jahrhunderts und Gewehre mit aufgesetztem Bajonett, da ihre historische Ausrüstung im Zuge der Tiroler Befreiungskriege 1809 vernichtet wurde. Die Berufung zum Guardisten unterlag vormals strengen Regeln und beruhte auf der Weitergabe von einer Generation auf die nächste. Auch heute noch spielen familiäre Bindungen eine Rolle. Der Partisanerbund zu Volders findet zum ersten Mal in einer Kirchenrechnung 1854 als „Lanzenträger“ Erwähnung. Neben der traditionellen Tiroler Tracht tragen sie reich verzierte Hellebarden, welche aus dem landesfürstlichen Arsenal von Erzherzog Ferdinand II. stammen. Die Partisane wird ausschließlich vom Hauptmann getragen. Die Partisaner erfüllen im kirchlichen und teilweise politischen Leben der Städte Hall und Schwaz und der Dörfer Volders und Thaur zahlreiche Aufgaben, weil sie einen wichtigen Teil bei Prozessionen und repräsentative Aufgaben darstellen. Sie sind heute ein wesentlicher Teil der regionalen Identität und in soziale, karitative und kulturelle Aufgaben ihrer Gemeinden eingebunden.


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