Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Korbmachen - Flechtkunst mit Weiden, Stroh und gespaltenem Holz

Antragsteller: Stainzer Korbflechter und Besenbinder aus dem Blaurackenverei LEiV, Kulturverein Gniebing/Weißenbach, Korbflechter aus Fruttendorf-Gießelsdorf
Bundesland: Steiermark
Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken
Aufnahmejahr: 2013

Die Jahrtausende alte Handwerkstechnik des Korbmachens aus unterschiedlichen natürlichen Materialen war seit jeher ein wichtiger Bestandteil des Alltages. Die Körbe, geflochten und genäht aus Weiden, Stroh und gespaltenem Holz, wurden zum Tragen und Aufbewahren von verschiedensten Dingen verwendet. In vielen Teilen Österreichs war das Flechthandwerk ein wichtiges Hausgewerbe. In der Region der Südoststeiermark haben sich eine umfangreiche Wissensvielfalt und ein Variantenreichtum der Flechtkunst erhalten. Nach dem Sammeln und Trocknen des notwendigen Materials über das Jahr treffen sich im südoststeirischen Vulkanland während der Wintermonate regelmäßig KorbmacherInnen und Interessierte. In gemeinsamen Runden und bei Veranstaltungen werden Handwerkstechniken und Materialkenntnis ausgetauscht, gelehrt und praktiziert.

Aufgrund der Vergänglichkeit des natürlichen Korbmaterials und des fehlenden materiellen Wertes aufgrund ihrer weiten Verbreitung blieben nur wenige alte Belegstücke bis in die heutigen Tage erhalten. Die älteste bildliche Darstellung der Steiermark, die einen Korb zeigt, findet sich in der Johanniskapelle in Pürgg und stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Die Arbeitsvorgänge des Korbmachens sind von Ort zu Ort unterschiedlich. Am weitesten verbreitet sind die Weidenkörbe, die geflochten werden. Ab Mitte November, sobald die Weidenruten ihr Laub verloren haben, können diese geerntet werden; anschließend werden die ungeschälten oder vereinzelt aus geschälten Ruten der Korbweide oder Bandweide, geflochten. Körbe aus Stroh werden nicht geflochten, sondern die Strohwülste werden mit gespaltenen und gehobelten Weidenruten vernäht. Strohkörbe sind in ihrer Produktion aufwändiger und es bedarf mehr Vorbereitungsarbeiten, da zuerst das Roggenstroh angebaut und von Hand geerntet werden muss.

In den letzten Jahrzehnten war das Handwerk vor allem dadurch gefährdet, dass die Nachfrage stark zurückging und viele Personen, die das Handwerk beherrschten, aus Altersgründen ihr Können nicht mehr weiter geben konnten. Zudem werden spezielle Weiden nicht mehr gepflanzt bzw. erhalten und das notwendige Roggenstroh wird nicht mehr so verarbeitet, wie es für das Korbmachen gebraucht wird.

Um das Wissen aber weiter zu geben wurden die verschiedenen Techniken des Korbmachens durch regelmäßige FlechterInnentreffen in der Südoststeiermark (u.a. Gemeinde Stainz bei Straden, Gniebing-Weißenbach und Frutten-Gießelsdorf) wiederbelebt. Seither bringt das Korbmachen, als ein für diese Region wiederentdecktes typisches Handwerk, in den Wintermonaten Männer wie Frauen unterschiedlichsten Alters zusammen. Neben der traditionellen Handwerkstechnik wird in diesen Runden auch Wissen um die Produktion des Materials selbst – etwa das Setzen von Korbweiden, das Säen und händische Ernten von Roggen-Stroh, das Bearbeiten der Weiden für das Flechten und Nähen – sowie die Herstellung bestimmter Werkzeuge für die Bearbeitung der Weiden vermittelt.

Durch die zahlreichen Aktivitäten der KorbflechterInnen-Runden und regionale sowie internationale Veranstaltungen (etwa der Korbmacher- und Besenbinderball am Rosenmontag in Stainz bei Straden, Schauflechten in ganz Österreich, Internationales Korbflechtertreffen 2001 in Graz) ist ein wichtiges Gemeinschaftsgefühl der beteiligten Runden und ein breites öffentliches Bewusstsein um die Bedeutung dieser traditionelle Handwerkstechnik entstanden. Dies zeigt einerseits eine erhöhte Nachfrage nach den Körben, andererseits die zunehmende Berichterstattung in Zeitungsartikeln sowie in regionalen und überregionalen Medien. Sonderausstellungen, Broschüren und Publikationen haben zudem zu einer umfangreichen Aufarbeitung der Flechtkunst geführt. Darüber hinaus wurden in der Region die Weidenbestände wieder erhöht und damit das Erscheinungsbild der historischen Fluren der Landschaft und der Lebensraum für Insekten, Vögel und Tiere geschützt.


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