Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Innviertler Landler

Antragsteller: LEADER - Regionen Innviertel und Pramtal
Bundesland: Oberösterreich
Bereich: Darstellende Künste
Aufnahmejahr: 2013

Die Geschichte des Innviertler Landlers ist untrennbar mit den Innviertler Zechen verbunden. Diese waren ursprünglich rein bäuerliche Burschenkameradschaften, die eine besondere Form von Geselligkeit und Wirtshauskultur pflegten und mit dem Zechentanz – dem „Innviertler Landler“ – künstlerische Leistungen von Rang hervorbrachten. Diese Zechen waren über lange Zeit fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Der Innviertler Landler wird durch die Kombination von Tanz (die „Eicht“), Musik, Dichtung und Gesang zu einem gemeinschaftlichen Gesamtkunstwerk. Die Melodie, der spezielle, angehängte Jodler („Almer“) und vor allem der rhythmisch „verzogene“ ¾-Takt machen den Innviertler Landler zu einer spezifischen Spielform innerhalb der österreichischen Ländlerfamilie. Seine zahlreichen regionalen und individuellen Ausprägungen stellen ein kulturelles Erbe mit einer Tradition von mehr als 250 Jahren dar, das noch heute aktiv von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

Der Landler allgemein kann aufgrund von Bilddokumenten bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden, die erste Erwähnung aus dem Innviertel finden sich in Handschriften von Landlergeigern aus dem frühen 19. Jahrhundert. Es ist jedoch anzunehmen, dass schon lange vor den ersten schriftlich festgehaltenen Landlerweisen zum Landler aufgespielt wurde. Einzelne Zechen, in denen der Innviertler Landler seinen Ursprung findet, kann man bis Ende des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen. Die ersten Darstellungen des Innviertler Landler als Gruppentanz mit gemeinsamer Figurenabfolge lassen sich durch Gemälde bis kurz nach 1850 datieren. Man kann also davon ausgehen, dass die Zechen zu dieser Zeit begannen, aus den allgemein bekannten Tanzfiguren ihren eigenen Landler zu kreieren, indem sie die ursprünglichen Tanzfiguren veränderten und in einer ganz bestimmten Reihenfolge gemeinsam tanzten. So grenzte sich der Innviertler Landler nicht nur von den Landlern der anderen vier oberösterreichischen „Landlerlandschaften“ (Mühlviertel, Hausruckviertel, Traunviertel, Salzkammergut) ab, es entstanden im Laufe der Zeit auch die unterschiedlichsten Varianten des Innviertler Landlers selbst, wobei jede Form für die jeweilige Zeche typisch und unverwechselbar war.

Der jeder Zeche eigene Landler wurde von Generation zu Generation an junge Zechenkameraden weitergegeben, gleichzeitig aber auch immer weiterentwickelt. Während sich so über die Jahre unzählige Formen des Innviertler Landlers in Tanz und Gesang herausgebildet haben, können sie trotzdem allesamt aufgrund ihres gemeinsamen Ursprungs zur selben Musik getanzt werden. Besonderheiten des Innviertler Landlers waren dabei etwa, dass seit den 1920er-Jahren auch einzelne Frauen die vierzeiligen Tanzlieder und Jodler mitsangen und die übliche Streicher-Besetzung durch drei Blechbläser verstärkt wurde.

Die Innviertler Zechen selbst waren über lange Zeit fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und übernahmen eine wichtige identitätsstiftende Funktion in der Dorfgemeinschaft. Mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft, der Individualisierung der Freizeitkultur und der erhöhten Mobilität setzte ab den 1950er Jahren ein „Zechensterben“ ein. Von den über 540 Zechen des Inn- und Hausruckviertels im Jahre 1939 waren 1979 nur noch 58 übrig. So versuchten alte Zechengemeinschaften in den 1970er – 1990er-Jahren ihre Landler zu reaktivieren bzw. an neugegründete Volkstanzgruppen weiterzugeben. Die Zechen von heute sind dabei, bis auf wenige Ausnahmen, nicht mehr die Gemeinschaften der ledigen männlichen Dorfjugend von früher: Da das Ausscheiden eines Mitglieds durch Heirat oft das Fortbestehen der ganzen Gruppe gefährden konnte, sind heute auch verheiratete Paare erlaubt und Frauen gleichberechtigte Mitglieder.

Der Innviertler Landler wird heute (2012) noch von ca. 25 – 30 Zechen, Volkstanzgruppen und Trachtenvereinen getanzt, wobei vor allem die Zechen aber auch die Volkstanzgruppen der Region ihre Hauptaufgabe in der Erhaltung der jeweiligen Landler-Eicht sehen. Jedes Jahr gibt es im Innviertel ca. 2 – 4 Zechentreffen, bei denen ca. 10 – 15 Zechen und Volkstanzgruppen ihre Landler als auch andere Volkstänze aufführen. Dort werden die Tänze nicht gruppenweise dargeboten, sondern von fast allen anwesenden Tänzerinnen und Tänzern mitgetanzt. Auch Kirtage und Hochzeiten (v.a. der Zechenmitglieder) waren und sind teilweise noch heute wichtige Termine in Bezug auf den Innviertler Landler. In Hinblick auf das fortgeschrittene Alter mancher Mitglieder der aktiven Gruppen ist es für diese von Bedeutung, junge Menschen durch Kurse für diese Kulturgut zu begeistern und zu motivieren, einen Innviertler Landler tanzen zu lernen. Unterstützt werden die Zechen auch durch Institutionen wie der LEADER Regional Verein Innviertel Pramtal, der in spezifischen Arbeitsgruppen die Akteure des Innviertler Landler regelmäßig zusammenführt. Als solche bietet der Verein eine Plattform für Vernetzung und Zusammenarbeit, um die Pflege und Bewahrung des typischen Innviertler Kulturguts zu gewährleisten.


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