Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Klöppelei in Salzburg

Antragsteller: Christian Vötter - Verein TAURISKA & Monika Thonhauser
Bundesland: Salzburg
Bereich: Traditionelle Handwerkstechniken
Aufnahmejahr: 2013

Der Ursprung der Herstellung von Spitze reicht bis in die Renaissance zurück. Mit dieser sollten die Kanten textiler Erzeugnisse nicht nur vor dem Ausfransen geschützt, sondern auch kunstvoll verziert werden. Die große Nachfrage ließ die Klöppelei in Salzburg zu einem Wirtschaftszweig von überregionaler Bedeutung heranwachsen und es entwickelte sich eine eigenständige Form der Spitze, das „Salzburger Nahtl“. In seiner Blütezeit zwischen 1600 bis 1800 stellte dieses Handwerk ein wichtiges Einkommen für unzählige Familien dar, geriet allerdings danach nahezu in Vergessenheit. Seit der Wiederentdeckung der Spitze Mitte des 20. Jahrhunderts wird dieses textile Kunsthandwerk in Kursen gelehrt und weitergegeben.

Die textile Kunsthandwerkstechnik der Klöppelei entstand aus der Fransenknüpferei, die sich für den Salzburger Flachgau bereits bis ins frühe 17. Jahrhundert nachweisen lässt. Ähnlich wie diese verwendet die Klöppelei gleichzeitig mehrere Fäden, die auf spindelförmigen meist aus Holz gefertigte Spulen (Klöppel) aufgefädelt, paarweise miteinander verzwirnt, verflochten und verschränkt werden. Neben den aktuellen Mustern anderer europäischer Spitzenzentren entwickelte sich im 18. Jahrhundert eine eigenständige Spitzenart, das „Salzburger Nahtl“. Die Konkurrenz der Maschinenware, Einfuhrsperren nach Österreich und ein allgemeiner wirtschaftlicher Niedergang brachten jedoch im 19. Jahrhundert große Absatzeinbußen und der Wirtschaftszweig der Klöppelei in Salzburg kam zum Erliegen. Lediglich im Henndorfer Raum waren im ausgehenden 19. Jahrhundert noch Klöpplerinnen anzutreffen, die gewerbsmäßig Spitzen herstellten. Im Salzburg Museum wurde in dieser Zeit eine umfangreiche Spitzensammlung errichtet.

Erst in den 1950er Jahren wurde die aufwändige „Salzburger Spitze“ als wichtigtes Beiwerk für die Trachtenmode erfolgreich wiederentdeckt und die inzwischen vergessene Technik der Spitzenherstellung in verschiedensten Kursen von Klöpplerinnen von Neuem erlernt und weitergegeben. Mehrere Trachtenmappen, die in dieser Zeit erschienen, zeigen von diesem neu erwachten Interesse.

Dr. Monika Thonhauser stellte seitdem sowohl durch ihre praktische als auch wissenschaftliche Kenntnis der Klöppelei eine wichtige Schnittstelle zwischen den Klöpplerinnen in Salzburg aber auch in anderen Ländern dar. Gemeinsam hat diese mit Institutionen wie dem Heimatkundlichen Museum in St. Gilgen eine sechsbändige Klöppelspitzenreihe mit Spitzen aus der Zeit der Salzburger Hausindustrie herausgegeben. Zudem wurden in den 1980er Jahren im Salzburg Museum den Klöppelspitzen und der Klöppelei mehrere Ausstellungen gewidmet und auch eigene Klöppelspitzenstuben eingerichtet (etwa im Heimatkundlichen Museum in St. Gilgen). Mit Sonderausstellungen, in vielen Führungen, Vorträgen und Workshops für SchülerInnen und speziell ausgearbeiteten Lehrmaterialen konnte die Salzburger Spitzenklöppelei bisher einem großen Publikum vermittelt werden. Zahlreiche Initiativen der kulturellen Traditionspflege gehen dabei auf Dr. Monika Thonhauser, die Salzburger Heimatpflege und den Verein für Kultur und Regionalentwicklung Tauriska zurück.

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