Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Trägerin des immateriellen Kulturerbes

Erzählen im Montafon

Antragsteller: Dr. MMag. Edith Hessenberger, MMag. Michael Kasper, Bürgermeister Rudi Lerch
Bundesland: Vorarlberg

Im Montafon, einem Vorarlberger Gebirgstal, entwickelten sich im Rahmen der täglichen Kommunikation Erzählgemeinschaften. Die Inhalte, Wertvorstellungen und Muster der lokaltypischen Sagen und Erzählungen gehen auf das 19. und 20. Jahrhundert zurück. Die Erzähltradition ist noch heute ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft und wird im Alltag ebenso wie zu besonderen Anlässen gepflegt. Die Menschen im Montafon wie auch zahlreiche kulturelle Initiativen tragen aktiv zur Sammlung und Erhaltung des lokalen Erzählguts bei, das seit dem 19. Jahrhundert auch im Interesse der wissenschaftlichen Forschung steht.


Klassische Reitkunst und die Hohe Schule der Spanischen Hofreitschule

Antragsteller: Spanische Hofreitschule - Bundesgestüt Piber Ges.ö.R., Mag. Erwin Klissenbauer
Bundesland: Wien

Das Wissen um die klassische Reitkunst und die Hohe Schule auf und über der Erde wird bis heute an der Spanischen Hofreitschule in Wien von einer Bereitergeneration an die nächste mündlich weitergegeben und in nationalen wie internationalen Reitvorführungen der Öffentlichkeit präsentiert. Die jungen ElevInnen und BereiteranwärterInnen lernen nicht nur von ihren älteren Kollegen, sondern auch von den Schulhengsten selbst.


Lieder der Lovara

Antragsteller: Ruzsa Nikolić-Lakatos
Bundesland: Burgenland, Wien

Lieder sind ein wichtiger Bestandteil der Kulturtradition der Lovara. Der Begriff „Lovara“ geht auf das ungarische Wort für „Pferdehändler“ zurück – den traditionellen Beruf der Lovara. Die Lieder handeln meistens von der Familie und der Gemeinschaft, aber auch die Rolle des Einzelnen und die frühere Lebensweise der Lovara spiegeln sich in ihnen wider. Zudem sind die Lieder ein „Speicher“ der Sprache, beinhalten sie doch für diese Roman-Variante typische Phrasen, Metaphern, Sprechformeln oder auch nur einzelne Ausdrücke, die heute im alltäglichen Gebrauch kaum mehr (bzw. gar keine) Verwendung finden.


Märchenerzählen

Antragsteller: Helmut Wittmann
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Märchenerzählen ist die Kunst, Menschen mit Geschichten auf spielerische und geistig anregende Weise zu unterhalten.


Österreichische Gebärdensprache

Antragsteller: Helene Jarmer, Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) bildet das soziale und kulturelle Fundament der österreichischen Gebärdensprachgemeinschaft. Sie ist die Muttersprache gehörloser Menschen in Österreich und somit ein wesentlicher Teil ihrer Identität. Seit 2005 ist die ÖGS rechtlich als eigene Sprache anerkannt, jedoch verstehen sich deren AnwenderInnen noch immer als sprachlich-kulturelle Minderheit in Österreich. Die ÖGS wird hauptsächlich von gehörlosen Personen gesprochen und vereinzelt auch von hörenden Menschen als zusätzliche Sprache erlernt. Sie wird österreichweit verwendet und beinhaltet Dialekte, die sich durch regionale Spezifika auszeichnen. Bereits im Jahr 1779 wurde in Wien die erste Gehörlosenschule gegründet. Seither wird die Sprache in entsprechenden Schulen, Vereinen und Familien gepflegt und überliefert. Zudem wird sie in Form von Poesie, Theater und darstellender Kunst übermittelt.


Ötztaler Mundart

Antragsteller: Prof. Dr. Hans Haid, Ötztal-Archiv des Ötztaler Heimatvereins
Bundesland: Tirol

Die Ötztaler Mundart stellt das stärkste und am meisten prägende Element der lokalen Identität der Bevölkerung des Ötztales dar. Sie blickt auf eine rund 900-jährige Tradition zurück.


Roman - die Sprache der Burgenland-Roma

Antragsteller: Barbara Schrammel i.V. Verein [spi:k] und Emmerich Gärtner-Horvath i.V. Verein Roma Service
Bundesland: Burgenland

Beim Roman handelt es sich um eine Varietät des Romani, die spezifisch für die im Burgenland lebenden Roma ist und ausschließlich auf österreichischem Staatsgebiet gesprochen wird. Das Roman kann auf eine über 500-jährige Tradition zurückblicken und wird heute in allen gängigen Medien der Burgenland-Roma verwendet. Gesprochen wird Roman hauptsächlich im familiären Umfeld, aber auch mit Freunden und anderen Mitgliedern der Volksgruppe. Die Weitergabe des Roman erfolgt in erster Linie außerhalb der Familien in Form von Sprachkursen für verschiedene Alterstufen. Da dem Roman seitens der Mehrheitsbevölkerung ein nur geringes Ansehen eingeräumt wird und kaum Interesse daran besteht, sind viele Roma im Burgenland dazu übergegangen, sich hauptsächlich der Mehrheitssprache Deutsch, aber auch der beiden Minderheitensprachen Kroatisch und Ungarisch zu bedienen.


Slowenische Flur- und Hofnamen in Kärnten

Antragsteller: Vertreter der Bürgerinitiativen, Vinko Wieser
Bundesland: Kärnten

Die überlieferten slowenischen Flur- und Hofnamen stellen eine wichtige Quelle zum Verständnis für die wirtschaftlichen, sozialgeschichtlichen und sprachlichen Entwicklungen des Kärntner Raumes dar. Sie sind Bestandteil des Kulturerbes der Kärntner SlowenInnen sowie auch der deutschsprachigen BewohnerInnen der Region.


Vorarlberger Flurnamen

Antragsteller: Mag. Dieter Petras, Thomas Gamon und BM Mag. Harald Sonderegger
Bundesland: Vorarlberg

Da sich Fluren und Äcker in oft weiter Entfernung der Dörfer und Höfe befinden, war ihre genaue örtliche Benennung von großer Bedeutung für das Abschließen von Verträgen, die Erstellung von Wegbeschreibungen und die Berechnung zu entrichtender Abgaben. Über Jahrhunderte hinweg bildeten die dadurch entstandenen Orts- und Flurnamen einen selbstverständlichen Bestandteil der bäuerlichen Lebenswirklichkeit. Erst im Laufe der tief greifenden landwirtschaftlichen Umstrukturierungen nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere ab den Sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden viele Flurnamen obsolet und drohten, in Vergessenheit zu geraten.


Darstellende Künste

Aberseer Schleuniger

Antragsteller: Matthias Beinsteiner
Bundesland: Oberösterreich, Salzburg

Der „Schleunige“ – in alten Handschriften auch „Schleinige“ genannt – ist eine ausschließlich im Salzkammergut verbreitete Spiel- und Tanzform. Eine spezielle regionale Variante des Schleunigen findet man rund um den Wolfgangsee (Abersee), also in Abersee, Strobl, St. Wolfgang und St. Gilgen. Mit einer Dauer von zehn bis zwölf Minuten ist der Aberseer Schleunige ein sehr langer und komplexer Tanz, was sich sowohl vokal, instrumental wie auch choreographisch äußert. Das markante rhythmische Element des Schleunigen besteht neben Stampfschritten und Sprüngen der Tänzer vor allem im gemeinschaftlichen Paschen (Klatschen) im Mittelteil des Tanzes. Im Gebiet um den Wolfgangsee wird der „Schleunige“ meist bei Hochzeiten gespielt und getanzt. Je nach Hochzeitsgästen und Vortänzer gestaltet sich der Tanzablauf individuell, wobei aber das Grundgerüst des Tanzes (Einspringen, Kettenform, Gesang und Paschen) unverändert beibehalten wird


Dürrnberger Schwerttanz

Antragsteller: Hermann Gfrerer i. V. Schwerttanz Verein der Dürrnberger Bergknappen
Bundesland: Salzburg

Der Dürrnberger Schwerttanz wird seit rund 500 Jahren praktiziert und ist eng mit der Salzburger Salinenindustrie und dem Bergbau verknüpft. Es handelt sich dabei um einen in der mittelalterlichen Tradition der Handwerker und Standestänze wurzelnden Reigen- und Kettentanz, der ursprünglich von Bergknappen an Berufsfesten und anderen Ehrentagen aufgeführt wurde. Bis heute ist die Aufführung des Schwerttanzes ausschließlich besonderen Anlässen vorbehalten. Der Tanz selbst enthält eine Reihe von Schrittfolgen und komplizierten Tanzfiguren, wobei das Schwert als Bindeglied eingesetzt wird. Dazu wird eine spezielle Bergmannstracht mit den Berufsrequisiten und Standeskennzeichen der Bergleute getragen. Bis zur Schließung der Saline im Jahr 1989 wurde der Schwerttanz unter Vorsitz des Salinendirektors und Bergwerkleiters alle vier Jahre aufgeführt. Seitdem widmet sich der Verein ehemaliger Knappen der Pflege des Tanzes.


Heiligenbluter Sternsinger

Antragsteller: Obmann Hans Schacher i.V. Rotte Hof Heiligenbluter Sternsinger
Bundesland: Kärnten

Die vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammende Tradition des Heiligenbluter Sternsingens hat sich bis heute zum größten Teil in seiner ursprünglichen Form erhalten. Elemente wie das Sternlied oder das Segnen des Hauses mittels Anbringung des Segensspruches Christus Mansionem Benedicat (CMB) über der Haustüre sind bis heute ein fixer Bestandteil dieser Tradition.


Innviertler Landler

Antragsteller: LEADER - Regionen Innviertel und Pramtal
Bundesland: Oberösterreich

Die Geschichte des Innviertler Landlers ist untrennbar mit den Innviertler Zechen verbunden. Diese waren ursprünglich rein bäuerliche Burschenkameradschaften, die eine besondere Form von Geselligkeit und Wirtshauskultur pflegten und mit dem Zechentanz – dem „Innviertler Landler“ – künstlerische Leistungen von Rang hervorbrachten. Diese Zechen waren über lange Zeit fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Der Innviertler Landler wird durch die Kombination von Tanz (die „Eicht“), Musik, Dichtung und Gesang zu einem gemeinschaftlichen Gesamtkunstwerk. Die Melodie, der spezielle, angehängte Jodler („Almer“) und vor allem der rhythmisch „verzogene“ ¾-Takt machen den Innviertler Landler zu einer spezifischen Spielform innerhalb der österreichischen Ländlerfamilie. Seine zahlreichen regionalen und individuellen Ausprägungen stellen ein kulturelles Erbe mit einer Tradition von mehr als 250 Jahren dar, das noch heute aktiv von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.


Maultrommelspiel in Österreich

Antragsteller: Obmann Dr. Franz Kumpl für den Österreichischen Maultrommelverein
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Das Maultrommelspiel zählt zu den ältesten Musikpraktiken der Menschheit und ist vor allem bei den asiatischen Turkvölkern und in Europa verbreitet. Die Maultrommel ist ein Bordun-Instrument, das aus verschiedenen Materialen, z.B. Metall oder Bambus, hergestellt wird. Dabei haben sich Zentren der Produktion und des Spiels mit eigenständigen Charakteristiken herausgebildet. Seit dem Mittelalter ist Molln die österreichische Erzeugungsstätte, wo sich sogar eine eigene Zunft der Maultrommelmacher etablieren konnte. Historisch spielte die Maultrommel im Alpenraum sowohl bei der Liebeswerbung wie auch beim geselligen Musizieren eine wichtige Rolle. In Österreich ist das Maultrommelspiel bis heute besonders durch die Wechseltechnik charakterisiert. Dabei verwendet ein Spieler zwei bis vier unterschiedlich gestimmte Maultrommeln entweder als Soloinstrument, im Duett oder als Trio, am häufigsten jedoch in Verbindung mit anderen Instrumenten.


Metnitzer Kinisingen

Antragsteller: Direktor SR Siegmund Kogler
Bundesland: Kärnten

Das „Metnitzer Kinisingen“ im Metnitztal in Kärnten scheint in das 16. Jahrhundert zurückzureichen, erstmals schriftlich erwähnt wurde der heute noch gesungene Text in einem Manuskript aus dem Jahr 1724. Zusammen mit den drei Königen und dem Sternträger zieht eine Sängerschar (Rotte) zwischen Neujahr und 6. Jänner (Dreikönigstag) im ganzen Metnitztal von Hof zu Hof und singt die 17 Strophen des „Kinilieds“. Könige und Sternträger führen zum Gesang ein spezielles Schauspiel auf, bei dem sie sich stumm nach genau festgelegten Regeln bewegen. Zusätzlich zu den 17 Strophen werden den Hausleuten Wünsche für ein gutes Jahr vorgetragen. Statt Geld erhält die Rotte nach der Darbietung eine Stärkung, um nach einem Schlusslied weiterzuziehen.


Öblarner Krampusspiel

Antragsteller: Ing. Gert Planitzer
Bundesland: Steiermark

Das Öblarner Krampusspiel gehört in die Gattung geistlicher Volksschauspiele (siehe auch „Reither Nikolausspiel“), die seit der Rekatholisierung vor allem im 18. Jahrhundert zum Bestand religiöser Unterweisung und geistlicher Belehrung der Bevölkerung dienten. Als eines der letzten steirischen Volksschauspiele wird das Öblarner Krampusspiel alljährlich Anfang Dezember von Laien als Stubenspiel in bäuerlichen Gehöften und als öffentliche Aufführung auf dem Marktplatz gespielt. Die Texte der einzelnen Spielfiguren wie Jäger, Luzifer und Gefolge, Schmied, Habergoas und Tod wurden vorwiegend mündlich überliefert und erstmals in den 1980er Jahren schriftlich erfasst. Eine erste Nachricht zum Krampusspiel in Öblarn geht auf Erzherzog Johann zurück, der 1816 bei einem Besuch in Schloss Gsatt einen Teil davon oder desselben zu sehen bekam.


Österreichische Volkstanzbewegung

Antragsteller: Dr. Helmut Jeglitsch, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die österreichische Volkstanzbewegung wurzelt in der Forschung und Sammeltätigkeit einiger Persönlichkeiten des ausklingenden 19. Jahrhunderts und nahm Anleihen aus ländlichen oft nur noch in Resten erkennbaren Traditionen. Gleichzeitig mit der Systematisierung und Aufzeichnung der verschiedenen Tänze begann auch die Ausrichtung auf österreichische Besonderheiten. Die Tänze wurden jedoch nicht nur gesammelt und für die Nachwelt gesichert, sondern auch wieder verstärkt gelehrt und somit vor dem Aussterben bewahrt.


Passionsspiele Erl

Antragsteller: Passionspielverein Erl
Bundesland: Tirol

Seit 400 Jahren finden in einem Zyklus von sechs Jahren die traditionellen Passionsspiele Erl statt, die ihren Ursprung in den christlichen Osterspielen haben. Trotz bereits international renommiertem Ruf und regem Zuschauerbesuch sind es insbesondere die EinwohnerInnen von Erl, die für die Bewahrung dieser traditionell christlichen Spiele eintreten. Es sind nicht professionelle SchauspielerInnen, sondern die BewohnerInnen der Ortschaft selbst, die regelmäßig auf der Bühne stehen. Die Rekrutierung der etwa 600 MitspielerInnen erfolgt ein Jahr vor der Aufführung. Mitglieder des Komitees gehen von Haus zu Haus und fragen die in Erl ansässige Personen, ob sie bei den Passionsspielen mitwirken möchten – ohne Anspruch auf eine bestimmte Rolle und unter Einbeziehung aller Generationen. Mit Bedacht auf den religiösen Hintergrund und den Wunsch der Mitwirkenden nach Kontinuität gehören Änderungen an Text, Musik und auch den Kostümen zur Weiterentwicklung und Aktualisierung der Aufführungspraxis.


Pinzgauer Tresterertanz der Salzburger ALPINIA

Antragsteller: GTEV ALPINIA Salzburg vertreten durch Erwin Laubichler
Bundesland: Salzburg

Beim Pinzgauer Tresterertanz handelt es sich um eine regionale Sonderform des Schönperchtenlaufens. Der Rundtanz mit Hüpf- und Stampfschritten in typischen Kostümen wird jährlich am 5. Jänner, dem Perchtenabend vor Dreikönig, bei einbrechender Dunkelheit als Umlaufbrauch von Haus zu Haus, in den Bauernhöfen der Umgebung der Stadt Salzburg, aufgeführt. Der Besuch der Tänzer und Musiker ist eine Auszeichnung und erfolgt unangekündigt. Der Vortänzer informiert die Hausleute zunächst über den Brauch, indem er im typischen Tanzschritt einen Achter läuft. Der Tresterertanz besteht aus zwei Tanzteilen – einem Tanzteil ohne und einem mit Musik. Die Menschen verbinden mit den Tresterern ein gutes Omen für das neue Jahr und bedanken sich mit einer Gabe.


Reither Nikolausspiel

Antragsteller: Johann Hechenblaikner im Auftrag der „Bundesmusikkapelle Reith im Alpbachtal“ und von Max Feichtner (Besitzer des Nikolausspiel-Manuskripts)
Bundesland: Tirol

Das Reither Nikolausspiel findet im Abstand von sieben Jahren in Reith im Alpbachtal statt. Der älteste Hinweis auf dieses Volksschauspiel stammt aus dem Jahr 1868, wobei die Grundlage für die heutige Fassung bereits 1875 verschriftlicht wurde. Diese im Kern kirchlich-pädagogische Aufführung wurde bis 1919 als Stubenspiel aufgeführt, bei dem örtliche Laiendarsteller in Reith von Bauernhof zu Bauernhof zogen und einzelne Szenen spielten. Das Reither Nikolausspiel besteht aus zwölf für die Nordtiroler Varianten typischen Szenen („Bilder“ genannt), in denen die Auflehnung der Armen gegen die Reichen und Mächtigen sowie der Kampf zwischen Gut und Böse dargestellt werden.


Rudentanz in Sierning

Antragsteller: Rudenkomitee Sierning
Bundesland: Oberösterreich

Bis ins 20. Jahrhundert war der Ländler als ein „Tanz für alle“ speziell im süddeutschen Sprachraum, aber auch darüber hinaus, verbreitet. Im Traunviertel wird eine ganz spezielle Form des Ländlers bis heute von den so genannten „Ruden“ – althochdeutsch „roti“, also „Rudel“ – überliefert. Diese meist bäuerlichen Jungmännerbünde pflegten neben den brauchtümlichen Handlungen im Jahreslauf vor allem den mehrstimmigen Gesang, welcher eine wichtige Voraussetzung für die Bewältigung eines Traunviertler Landlers, dem Kernstück des Rudentanzes, darstellt. Seit 200 Jahren wird am Faschingsdienstag der Sierninger Rudenkirtag abgehalten, an dem die Traunviertler Ruden (Gruppen von ca. vier bis acht Tanzpaaren) zusammen kommen und ihren Landler darbieten. Neben Musik und Tanz wird dabei ein besonderes Augenmerk auf die jährlich neugedichteten Gstanzln (gesungene vier- bis achtzeilige Reime) gelegt, die durch ihre spöttischen sowie kritischen Anspielungen auf lokale, nationale, globale politische so wie auch gesellschaftliche Ereignisse als „moralisches Korrektiv“ dienen.


Sternsingen im Villgratental (Außervillgraten und Innervillgraten)

Antragsteller: MMag. Robert Schmidhofer, Hermann Lanser
Bundesland: Tirol

Jedes Jahr zwischen Weihnachten und dem Fest der Heiligen Drei Könige findet im Villgratental das traditionelle Sternsingen statt. Zwei Tage lang gehen zwei Gruppen in eigens dafür angefertigten Kleidern von Haus zu Haus und singen überlieferte Neujahrslieder.


Traunkirchner Mordsgschicht

Antragsteller: PrEsident Rudolf Hödl
Bundesland: Oberösterreich

Die älteste Aufzeichnung der Traunkirchner Mordsgschicht stammt aus dem Jahr 1912, wobei diese Tradition laut Zeitzeugen schon länger existieren soll. Es handelt sich dabei um einen musikalischen Vortrag im Stil des Moritatengesanges. Ursprünglich im ganzen Salzkammergut verbreitet, wird dieser Brauch in dieser Form heute nur mehr in Traunkirchen praktiziert. Am Faschingssonntag ziehen die Sänger in Frack und mit Zylinderhut bekleidet von Gasthaus zu Gasthaus und präsentieren heitere Begebenheiten der Dorfgemeinschaft des vergangenen Jahres. Als Gegenleistung werden nur die Bewirtung, Aufwandsentschädigungen oder ein gemeinsames Essen akzeptiert.


Wiener Dudler

Antragsteller: Mag. Agnes Palmisano
Bundesland: Wien

Das Dudeln ist ein wichtiger Bestandteil der Wiener Gesangskultur. Sein Ursprung ist am Beginn des 19. Jahrhunderts zu suchen, als Tiroler Sängerschaften sich auf Tourneen durch die Städte Europas begaben und somit der Stadtbevölkerung den Brauch des Jodelns näher brachten. In Wien entwickelte sich das Dudeln vor allem in den Bezirken Ottakring und Hernals.


Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste

Anklöpfeln im Tiroler Unterland

Antragsteller: Joch Weißbacher i. V. Oberauer Anklöpfler
Bundesland: Tirol

Das Anklöpfeln ist ein im Tiroler Unterinntal gepflegter Brauch. Dabei verkleidet sich eine Gruppe zumeist männlicher Sänger als Hirten und stattet danach an den drei Donnerstagen vor Weihnachten (Klöpflnächte) den Häusern der Nachbarschaft einen Besuch ab. Die Sänger werden in das Haus gebeten und stimmen dort einige Lieder an, die die Weihnachtsbotschaft von der Geburt Jesu verkünden.


Aperschnalzen im historischen Rupertiwinkel

Antragsteller: Ing. Ernst Müller, Ehrenobmann Schnalzergruppe Wals
Bundesland: Salzburg

Das „Aperschnalzen” bezeichnet einen über 200 Jahre alten Brauch im historischen Rupertiwinkel, der heute in mehreren Ortschaften zu beiden Seiten der Grenzflüsse Saalach und Salzach, also in Bayern und Salzburg, praktiziert wird. Zwischen Stephanitag (26. Dezember) und Faschingsdienstag schnalzen die „Passen” (Gruppen von neun Personen) bei ihren Treffen mit ihren „Goaßln” (Peitschen, vom althochdeutschen „Geisla”) so oft hintereinander, bis sie einen bestimmten Takt hervorbringen. Neben dem Schnalzen bei großen offiziellen Veranstaltungen stellen die Brauchtumswettbewerbe, die sogenannten „Gemeindeschnalzen“ und das einmal jährlich stattfindende „Rupertigau-Preisschnalzen“, Höhepunkte der Gemeinschaft der Passen dar.


Bergfeuer Ehrwald

Antragsteller: Karlheinz Somweber, Erich Steiner, Martin Senftlechner, Gebhard Schatz, Ehrwald e.V
Bundesland: Tirol

Jährlich zur Sommersonnwende am 21. Juni leuchten im Ehrwalder Talkessel die Bergfeuer. Die aufwändige Vorbereitung liegt in den Händen mehrerer Gruppen, von denen jede ein eigenes Motiv wählt, das maßstabsgerecht gezeichnet, entsprechend der Geländeneigung gestreckt und mit Brennmaterial gelegt wird. Über diese Motive, die stets Aktualität besitzen, herrscht bis 21. Juni vollständiges Stillschweigen.


Bleiberger Knappenkultur

Antragsteller: Bergmännischer Kulturverein und Marktgemeinde Bad Bleiberg
Bundesland: Kärnten

Über Jahrhunderte bildete der Bergbau die wirtschaftliche Lebensgrundlage für die EinwohnerInnen von Bad Bleiberg. Obwohl die Grube 1992 geschlossen wurde, bemühen sich viele Initiativen im Ort um den Erhalt und die Weitergabe der überlieferten Traditionen der Knappenkultur: die Bergmannsprache, die Schrämstollen, das Bleiberger Knappenspiel, die Barbaramesse, der „Ledersprung“ etc. Die Knappenkultur bildet auch heute noch einen wichtigen Bestandteil der Identität der Gemeinde. Ihre Spuren finden sich in Haus- und Flurnamen, den darstellenden Künsten sowie im sozialen Gefüge.


Blochziehen in Fiss

Antragsteller: Verein "Blochziehen Fiss": Obmann Christian Kofler, Obmannstellv. Thomas Wachter
Bundesland: Tirol

Das Blochziehen in Fiss gehört zu den größten Fasnachtsbräuchen im Alpenraum. Es findet im Zweijahresrhythmus statt, wobei sich das Blochziehen der Erwachsenen mit jenem der 6-14 Jährigen, dem Kinder-Blochziehen, abwechselt. Im Spätherbst erfolgt das Blochbaumholen: eine stattliche Zirbe wird gefällt, bewacht und zwei Tage vor dem Umzug auf drei Schlitten aufgelegt. Am Tag des Umzugs versammeln sich die teilnehmenden Figuren im Dorfzentrum, und auf Kommando des Fuhrmannes beginnt sich der Bloch, geschoben von zahlreichen Vermummten, in Bewegung zu setzen. Hexen und „Schwoaftuifl“ versuchen, das Fortkommen zu erschweren. Spielerische Elemente sind nicht nur wesentliche Details, sondern dienen auch der Unterhaltung der Zuschauenden. Nachdem der Bloch beim Schulhaus angelangt ist, wird er versteigert.


Ebenseer Fetzenzug

Antragsteller: Johannes Scheck i. V. Verein Ebenseer Fasching
Bundesland: Oberösterreich

Beim Ebenseer Fetzenzug handelt es sich um einen jährlich am Faschingsmontag in und um Ebensee stattfindenden Faschingsumzug, dessen genaue Ursprünge nicht geklärt sind. Die Teilnehmenden, die so genannten „Fetzen“, kleiden sich in alte Frauengewänder, an die Lumpen genäht sind. Sie tragen einen Fetzenhut sowie eine kunstvoll geschnitzte Holzmaske. Der Zug trifft sich traditionell bei einem Gasthaus in Kohlstatt und zieht dann bis zum Rathaus der Marktgemeinde Ebensee. Dort beginnt der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung, das „Austadeln“: Die Fetzen sagen ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit verstellter Stimme die Meinung. Ziel ist es, dabei nicht erkannt zu werden. Begleitet wird das bunte Treiben vom „Parapluie-Marsch“, auch „Fetzenmarsch“ genannt.


Ebenseer Glöcklerlauf

Antragsteller: Edi Promberger
Bundesland: Oberösterreich

Ausgehend von Ebensee verbreitete sich der Brauch des Glöcklerlaufens über das gesamte Salzkammergut und die Wolfgangseeregion bis in die Steiermark. Dieser jährlich am 5. Januar stattfindende Brauch ist gekennzeichnet durch das typisch weiße Gewand aller Passen, das Tragen und Läuten von großen Glocken, dem Laufen von verschiedenen Figuren und dem Mittragen von Lichterkappen. In den letzten Jahrzehnten erstarkte das Interesse am Glöcklerlaufen in großen Teilen des Salzkammergutes, da man auch das touristische Potential dieser Tradition erkannte.


Fasnacht Imst - Schemenlaufen

Antragsteller: Die Gemeinschaft der Imster Fasnachtler, Obmann Uli Gstrein, Mag. Manfred Thurner
Bundesland: Tirol

Schemenlaufen wird in Imst im Tiroler Oberland ein Umzug zur Fasnachtszeit mit 26 unterschiedlichen Maskentypen genannt. Dieses Ereignis findet alle vier Jahre statt.


Fasnacht Nassereith - Schellerlaufen

Antragsteller: Obmann Spielmann Gerhard im Namen vom Fasnachtskomitee Nassereith für die Gemeinschaft der Nassereither Fasnacht
Bundesland: Tirol

Bei der Fasnacht Nassereith, seit 1951 auch als „Schellerlaufen“ bezeichnet, handelt es sich um einen Fasnachtsbrauch, welcher in einem Intervall von drei Jahren in der Ortsgemeinde Nassereith, Bezirk Imst/Tirol, an einem Tag zwischen dem Dreikönigstag (6. Jänner) und Aschermittwoch stattfindet. Im Zentrum der Nassereither Fasnacht steht der Umzug, welcher sich durch seine Farbenpracht und die typischen Holzlarven auszeichnet. Dabei wird das Schellerlaufen nach genau überlieferten Regeln durchgeführt und das Wissen um die Herstellung der Masken, Kostüme und Fasnachtsutensilien von Generation zu Generation weitergegeben. Für die Organisation und Abwicklung der Fasnacht wird seit dem Jahr 1923 ein Fasnachtskomitee für die Dauer von 6 Jahren gewählt.


Festbrauch der Bürger- und Schützengarden des Bezirkes Murau

Antragsteller: Obmann Rudolf Paschek für den Bezirksverband der Bürger- und Schützengarden des Bezirkes Murau
Bundesland: Steiermark

Fünf Bürger- und Schützengarden sind im Bezirksverband Murau organisiert: die Murauer Bürgergarde, die Schützengarde Krakaudorf, die Schützengarde Krakauebene, die Prangschützengarde Ranten und die Schützengarde der Pfarrgemeinde St. Peter am Kammersberg. Ihre Entstehungsgeschichten lassen sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Als Ehrengarden rücken sie mehrmals im Jahr bei festlichen Anlässen und kirchlichen Prozessionen aus und erhöhen dadurch die Feierlichkeit des Geschehens. Durch die traditionelle Verbindung zur Kirche gehören Fronleichnam und das Patroziniumsfest zu den fix festgelegten Terminen der Ausrückungen. Die Garden fungieren als Ehrenschutz bei Jubiläen, Hochzeiten und Besuchen von hochrangigen Persönlichkeiten. Sie zeichnen sich durch traditionelle Uniformen und Ausrüstungsgegenstände sowie durch ihren typischen Marsch aus.


Freiungsaustragen beim Maxlaun in Niederwölz

Antragsteller: Mag. Alfred Baltzer und Ing. Rudolf Paschek für den Arbeitskreis Volkskultur Murau
Bundesland: Steiermark

„Die Austragung der Freiung“ stellt den Mittelpunkt des Festzugs beim Maxlaun Markt dar. Dieser dreitägige Markt findet jährlich am zweiten Oktoberwochenende in Niederwölz im Bezirk Murau statt. Der Name leitet sich vom Kirchenpatron Maximilian ab, dessen Fest am 12. Oktober gefeiert wird. Zu seinen Ehren wird ein Festzug veranstaltet, bei dem die Freiung, ein geschnitzter Arm aus schwarzbemaltem Holz mit einem Schwert, festlich geschmückt und in einer traditionellen Route zum Marktgelände gebracht wird. Sie war ein Zeichen für den strafrechtlichen Schutz zur Marktzeit und garantierte freien Handel und Frieden durch Waffenverbot. In der heutigen Praxis sucht der Bürgermeister den „Freiungsträger“ aus, der wiederum den sogenannten „Maxlauner“, den Wegauskehrer, bestimmt. Der Festzug wird unter anderem von der Musikkapelle, der Sängerrunde Niederwölz, der Freiwilligen Feuerwehr sowie der Bergwacht begleitet.


Funkensonntag

Antragsteller: Mag. Hanno Platzgummer i.V. Funkenzunft Oberdorf
Bundesland: Vorarlberg

Die Praxis des Funkensonntags ist in ganz Vorarlberg verbreitet. In jeder Gemeinde findet am Sonntag nach Aschermittwoch ein eigener Funken zum Ausklang der Alten Fastnacht statt. In der größten Stadtgemeinde Vorarlbergs, in Dornbirn, gibt es sogar eine Vielzahl an Funken, die von verschiedenen Funkenzünften veranstaltet werden.


Gasteiner Perchten

Antragsteller: Andreas Mühlberger i.V. Verein Gasteiner Perchten
Bundesland: Salzburg

Die Tradition des Gasteiner Perchtenlaufs reicht bis zu den Faschingsläufen der Renaissancezeit und des Rokoko zurück und findet alle vier Jahre zwischen Neujahr und dem Dreikönigstag im Raum Bad Gastein und Bad Hofgastein statt. Unter den ungefähr 140 verschiedenen mitlaufenden Figuren befinden sich auch rund 30 Kappenträger, die einen eindrucksvollen, meist mehrere Meter hohen Kopfschmuck tragen. Die Kappenträger bringen dabei den ZuschauerInnen entlang des Weges in Form einer kurzen Tanzdarbietung und einer Verbeugung auf Befehl des Perchtenhauptmanns Glück- und Segenswünsche.


Gauderfest in Zell am Ziller

Antragsteller: Tiroler Landestrachtenverband, Obmann Oswald Gredler
Bundesland: Tirol

Tirols größtes Frühlingsfest geht auf einen Kirchtag zurück. Der Name bezeichnet den Ort dieses Volksfestes, das sogenannte Gauderlehen. Die bislang älteste Beschreibung dieses Festes stammt aus dem Jahr 1862, obwohl schon frühere Notizen Bezug darauf nehmen. Von den ehemals wichtigen Tierkämpfen wie dem Kuhstechen, Hahnenkämpfen und dem Widderstoßen hat man mittlerweile Abstand genommen und konzentriert sich nun vielmehr auf das im Alpenraum verbreitete "Ranggeln" mit dem Wettkampf um den "Hogmoar" und den Trachtenumzug. Dieser Umzug zählt zu den größten in Tirol und findet stets am ersten Sonntag im Mai statt. Besonderes Augenmerk legt man beim Gauderfest auch auf die Jugend, die am Samstag ihr Können vor allem auch in tänzerischer Hinsicht zeigen darf.


Heiliggrab-Bruderschaft Pfunds

Antragsteller: Heiliggrab-Bruderschaft Pfunds, Prof. Robert Klien
Bundesland: Tirol

Seit mehr als 500 Jahren existiert die „Heiliggrab-Bruderschaft“. Sie hat sich das Aufstellen des Heiligen Grabes in der Liebfrauenkirche in Pfunds am Samstag vor dem Palmsonntag sowie die ununterbrochene Anbetung des Allerheiligsten von Karfreitag bis Karsamstag zur Aufgabe gemacht. Grabbruder zu sein ist eine hohe Ehre und diese Funktion wird ohne Unterscheidung in Stand, Bildung, Ansehen oder Vermögen von Generation zu Generation weitergegeben. Seit jeher ist diese Laien-Bruderschaft unabhängig von Kirche und Gemeindeverwaltung. Sie umfasst 12 Gruppen zu je 16 Männer und bindet Frauen und Jugendliche in das Brauchtum mit ein.


Hundstoaranggeln

Antragsteller: Salzburger Rangglerverband, Landesobmann Hans Bernsteiner
Bundesland: Salzburg

Das Hundstoaranggeln am Hohen Hundstein im Pinzgau ist vermutlich die älteste im Alpenraum ausgetragene Sportart. Seine Wurzeln reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück.


Lichtbratlmontag in Bad Ischl

Antragsteller: Hannes Heide, Bürgermeister der Stadtgemeinde Bad Ischl
Bundesland: Oberösterreich

Alljährlich am Montag nach Michaeli (29. September) wird in Bad Ischl der Lichtbratlmontag begangen. Dieser bezieht sich auf einen Brauch, bei dem früher der Meister seinen Mitarbeitern ein „Bratl“ spendierte, da an diesem Tag erstmals wieder mit künstlichem Licht gearbeitet werden musste. Heute handelt es sich um ein Jahrgangstreffen aller runden Jubilare ab 50 eines jeweiligen Jahres, die in Bad Ischl geboren sind oder dort ihren Hauptwohnsitz haben.


Liebstattsonntag in Gmunden

Antragsteller: Trachtenverein „Traunseer“ Gmunden, Obmann Franz Wolfsgruber
Bundesland: Oberösterreich

Der Ursprung dieses Brauches wird in der 1641 in Gmunden neu aufgerichteten „Corpus Christi Bruderschaft“ gesehen, die bis ins 18. Jahrhundert Bestand hatte und deren Aufgabe es war das religiöse Leben in der Stadt zu vertiefen. Einmal jährlich, am vierten Fastensonntag, wurde von dieser Bruderschaft eine Versammlung abgehalten und dabei das Gelöbnis der Glaubenstreue und der brüderlichen Liebe, das „Liabb´státt´n“ (Liebe bestätigen), erneuert. Im Laufe der Zeit wandelte sich dies zu einem Liebe abstatten. Der Liebstattsonntag in Gmunden wird heute noch jedes Jahr am vierten Fastensonntag begangen. Die beiden Trachtenvereine von Gmunden, sowie die Goldhauben- und Kopftuchgruppe, treffen sich um neun Uhr zum Kirchgang in die Stadtpfarrkirche. Im Anschluss daran formiert sich ein Festzug mit Musikkapelle, der zum Rathausplatz marschiert. Nach einer kurzen Begrüßung und Erklärung des Brauchs verschenken die Vereinsmitglieder verzierte Lebkuchenherzen an die Bevölkerung und Gäste.


Mullen und Matschgern in den MARTHA-Dörfern

Antragsteller: Martin Kapferer i.V. Gemeinschaft der Muller und Matschgerer der Stadtteile Mühlau und Arzl bzw. der Dörfer Rum, Thaur und Absam
Bundesland: Tirol

Der in der Fastnacht praktizierte Brauch des Mullens beziehungsweise Matschgerns (von Maske/Maskieren) blickt in den MARTHA-Dörfern nördlich von Innsbruck auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Jeder Figur kommt eine spezielle Rolle zu, so fungieren die Hexen als Wegbereiter, andere Figuren wie etwa der Spiegeltuxer beeindrucken durch ihr imposantes Auftreten und wieder andere sind als Ordnungshüter tätig. Das ausgelassene und bunte Treiben gipfelt im so genannten Mullen oder Abmullen, einer Art Ehrbezeugung, bei der sich der Brauchträger eine Person aus der Menge aussucht, ihre Schulter reibt und ihr einen kleinen Schlag versetzt.


Murauer Faschingrennen

Antragsteller: Mag. Alfred Baltzer und Ing. Rudolf Paschek, i.V. Arbeitskreis Volkskultur Murau
Bundesland: Steiermark

Dieser kräfteraubende und aufwändige Umzugs- und Heischebrauch wird in regelmäßigen Abständen von zwei bis fünf Jahren an einem bestimmten Tag im Jahr, meist am Faschingsmontag, in mehreren Orten im Bezirk Murau ausgeübt. Die Ausstattung der Faschingrenner erinnert an die einstige Kleidung der Drescher. Dennoch weisen das äußere Erscheinungsbild und die Anzahl der Faschingrenner und ihrer Begleitfiguren geringfügige örtliche Unterschiede auf. Die mitwirkenden Gruppen und Einzelfiguren bewegen sich entweder auf Fahrzeugen oder zu Fuß von Hof zu Hof und müssen vor dem Einlass Hindernisse bewältigen: entweder eine gespannte Kette (Speng) überwinden oder die Herausforderung zum Zweikampf annehmen.


Perchtoldsdorfer Hütereinzug

Antragsteller: Christian Neumayer i.V. für die Weinhüter; Franz Distl i.V. für den Weinbauverein der Marktgemeinde Perchtoldsdorf
Bundesland: Niederösterreich

Der Hütereinzug ist ein fester Bestandteil des Jahreslaufs der Perchtoldsdorfer Weinhauer, auch wenn das Berufsbild des Hüters im Laufe der 1970er Jahre obsolet wurde und verschwand.


Sakramentsgarden in Tirol

Antragsteller: Karl Wurzer
Bundesland: Tirol

Die Tiroler Sakramentsgarden wurden vor etwa 500 Jahren nach dem spanischen Vorbild der Corpus-Christi-Bruderschaften gegründet. Ihrer ursprünglichen Tätigkeit als Schutz- und Ehrenbegleitung des Allerheiligsten bei Prozessionen gehen sie bis heute unverändert nach. Im Laufe der Geschichte sind die Tiroler Sakramentsgarden mehrfach aufgelöst worden, wobei an den Orten Thaur, Hall, Volders und Schwaz die Erhaltung der Tradition gelungen ist. In historischer Kleidung und Ausrüstung rücken die vier Garden bei offiziellen kirchlichen und weltlichen Anlässen gemeinsam aus. Die einzelnen Sakramentswachen begleiten zudem private Feiern wie Hochzeiten oder Begräbnisse. Seit jeher übernehmen die Mitglieder auch Tätigkeiten in sozialen und kulturellen Bereichen in ihren Gemeinden.


Salzburger Festschützenwesen

Antragsteller: Herbert Handlechner i.V. Landesverband der Salzburger Schützen
Bundesland: Salzburg

Das Festschützenwesen ist Bestandteil des Brauchtums im gesamten Land Salzburg. Obwohl sich vor allem das zum Schießen verwendete Gerät von Ort zu Ort massiv unterscheidet – der Bogen reicht von traditionellen Holzgewehren bis hin zu Prangerstutzen und Böllern – sind die Aufgaben, die die Schützenvereine in den Gemeinden wahrnehmen, sehr ähnlich.


Samsontragen im Lungau und Bezirk Murau

Antragsteller: Gauverband der Lungauer Heimat- und Brauchtumsvereinigungen, Gauobmann Eduard Fuchsberger
Bundesland: Salzburg, Steiermark

In Österreich ist der Brauch des Samsontragens nur im Salzburger Lungau sowie in zwei Gemeinden der angrenzenden Steiermark beheimatet. Er ist fixer Bestandteil des regionalen Brauchtumkalenders und sorgt immer für regen Zulauf.


Stille Nacht - das Lied zur Weihnacht

Antragsteller: MMag. Michael Neureiter i.V. Stille-Nacht-Gesellschaft
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Das im Jahr 1818 komponierte Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ bildet für zahlreiche Menschen einen Fixpunkt des Heiligen Abends und ist aus Feiern im Familien- und Freundeskreis sowie kirchlichen Feiern, insbesondere der Christmette, nicht wegzudenken. Für viele ist es der Inbegriff des Weihnachtsliedes überhaupt.


Telfer Schleicherlaufen

Antragsteller: Fasnachtkomitee Telfs, Obmann Dr. Stephan Opperer
Bundesland: Tirol

Rund 500 Männer nehmen aktiv an der Tradition des Telfer Schleicherlaufens teil. Alle fünf Jahre finden sie sich neu in ihren Fasnachtsgruppen zusammen. Diverse Fasnachtschroniken belegen, dass viele Familien seit Generationen am Telfer Schleicherlaufen teilnehmen. Ein großer Teil der Telfer Bevölkerung ist auch durch das Herrichten der Gewänder, das Ausbessern des Schmuckes etc. in die Fasnachtsvorbereitungen eingebunden.


Verein für gegenseitige Hilfeleistung bei Brandfällen "Nebenleistung"

Antragsteller: Verein für gegenseitige Hilfeleistung bei Brandfällen ,Nebenleistung', Obmann Johann Wimmer
Bundesland: Niederösterreich

Der Verein für gegenseitige Hilfeleistung bei Brandfällen „Nebenleistung“ ist eine Selbsthilfeorganisation in St. Oswald im Yspertal (Niederösterreich), die bei Brandfällen in der Region in Form von Arbeitsleistungen, Naturalien oder Geld Hilfe zur Verfügung stellt. Die Kurzbezeichnung für den Verein lautet „Nebenleistung“.


Vereinigte zu Tamsweg

Antragsteller: Die Vereinigten zu Tamsweg, Kommissär Dr. Raimund Schiefer
Bundesland: Salzburg

Die „Vereinigten zu Tamsweg“ ist die älteste, durchgehend existierende Vereinigung berufstätiger Männer im regionalen Umfeld von Tamsweg und wurde von Lungauer Handwerkern im Jahr 1738 als Begräbnisbruderschaft gegründet. Bis heute begleiten die Mitglieder Begräbnisse, nehmen an kirchlichen Prozessionen teil und halten jährlich zwischen 1. Jänner und dem Samstag nach dem Aschermittwoch die Vereinigtenoktav - eine Festwoche - ab, an der nicht nur Tamsweger teilnehmen, sondern auch Angehörige der Bruderschaft aus den Bundesländern.


Wiener Kaffeehauskultur

Antragsteller: Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer, Klubobmann KommR Maximilian K. Platzer
Bundesland: Wien

Die Tradition der Wiener Kaffeehauskultur reicht bis an das Ende des 17. Jahrhunderts zurück und ist durch eine ganz spezielle Atmosphäre geprägt. Typisch für ein Wiener Kaffeehaus sind Marmortischchen, auf denen der Kaffee serviert wird, Thonetstühle, Logen, Zeitungstischchen und Details der Innenausstattung im Stil des Historismus. Die Kaffeehäuser sind ein Ort, „in dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht“.


Windischgarstner Niglo-Umzug

Antragsteller: Jörg Strohmann i.V. Obmann des Heimat- und Museumsvereins Windischgarsten, beauftragtes Mitglied des Trachtenvereins d’Garstnertaler
Bundesland: Oberösterreich

Der Niglo-Umzug am Vorabend des Nikolaustages (6. Dezember) bildet einen jährlichen Fixpunkt der Adventzeit in Windischgarsten. Er besteht aus ungefähr 30 Personen: dem Nachtwächter, dem Nigloherrn (ein Herr in städtischer Bekleidung) und der Niglofrau (eine jüngere Frau mit weißem Kleid und Krone), mehreren Nigeln (in Pelz gehüllte Krampusse mit Larven, um den Körper Schellen und Birkenruten tragend), mehreren Engeln, dem Teufel, dem Heiligen Nikolaus und verschiedenen Nebenfiguren. Die bunte Gesellschaft versammelt sich beim Heimathaus und zieht dann durch den Markt in den Rathaushof, wo sich die Figuren auf der Bühne präsentieren und der Nigloherr und der Nikolaus je ein Gedicht vortragen. Zum Abschluss erhalten die anwesenden Kinder ein kleines Geschenk.


Wirlinger Böllerschützen

Antragsteller: Matthias Plamberger i.V. Verein Traditionsschützen Wirling
Bundesland: Oberösterreich

Der Traditionsschützenverein Wirling ist österreichweit der vermutlich einzige Verein, der berechtigt ist, das traditionelle Böllerschießen zu betreiben. Die Hauptaufgabe der Böllerschützen besteht darin, religiöse sowie weltliche Feste wie Hochzeiten, kirchliche Feste und Umzüge sowie das Rauhnachtsschießen mitzugestalten. Dabei wird ein eigens dafür konstruiertes Böllergeschütz auf einer Anhöhe in Stellung gebracht und je nach Anlass zu genau festgelegten Zeiten abgefeuert. Wichtig ist, dass immer das Echo des Böllerknalls, welches bis zu zwölf Sekunden dauern kann, vor der Abgabe des nächsten Schusses abzuwarten ist.


Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum

Dreistufenlandwirtschaft im Bregenzerwald

Antragsteller: Michael Moosbrugger i.V. Verein zur Förderung der Bregenzerwälder Käsekultur
Bundesland: Vorarlberg

Da das silofreie Futter aus den hofeigenen Flächen bei den meisten im Bregenzerwald angesiedelten bäuerlichen Betrieben nicht ausreicht, um das Vieh ganzjährig zu versorgen, bedienen sich die Bregenzerwälder Bäuerinnen und Bauern bis heute einer altbewährten Bewirtschaftungsform, der so genannten Dreistufenlandwirtschaft. Im jahreszeitlichen Kreislauf der Dreistufenlandwirtschaft ziehen die Familien oder ein Teil der Familie im Spätfrühling mit dem Vieh vom Hof zuerst auf das Vorsäß (eine niedrig gelegene Alm) und etwa Anfang Juli auf die Alpe.


Falknerei

Antragsteller: HR Dr. Harald Barsch, Österreichischer Falknerbund und Zentralstelle Österreichischer Falknervereine (ZÖF)
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Falknerei ist die Kunst, mit Vögeln zu jagen. Im engsten Sinne umfasst der Terminus „Falknerei“ die Jagd mit speziell dafür abgerichteten Falken, es werden aber auch Habichte, Sperber und Adler eingesetzt. Neben der Jagd dient die Falknerei auch der Nachzucht von Greifvögeln.


Heilwissen der PinzgauerInnen

Antragsteller: TEH Verein, Obfrau Theresia Harrer, GF Mag. Karin Buchart
Bundesland: Salzburg

Das überlieferte Heilwissen der PinzgauerInnen und seine praktische Anwendung wurden im Jahr 2005 erstmals erhoben und schriftlich dokumentiert. Es liegt eine Liste mit bisher 106 Heilmitteln sowie deren Indikationen und Wirkungen vor. Die verwendeten Heilmittel wie zum Beispiel Pech, Arnika oder Johanniskraut sind lokal verfügbar, in den kulturellen Kontext eingebettet und so untrennbar mit der Region verbunden. Das Erfahrungswissen wird mündlich und praktisch nach dem „Meister-Schüler-Prinzip“ tradiert. Damit ein Rezept weitergegeben wird, muss sich seine Wirksamkeit über Jahrhunderte hinweg bewährt haben.


Salzkammergut Vogelfang

Antragsteller: Salzkammergutverband der Vogelfreunde, Obmann Alfred Riezinger
Bundesland: Oberösterreich

Die Tradition des Vogelfangs im Salzkammergut umfasst den Fang einzelner heimischer Waldvögel im Herbst, die Haltung der Vögel außerhalb der Fangzeit in Volièren, und die Waldvogelausstellung am Sonntag vor Kathrein (25. November), in der die schönsten Vögel aufgrund ihrer Farbenpracht, Unversehrtheit und ihres einwandfreien Pflegezustands prämiert werden. Die Vögel werden mit heimischem, über das Jahr gesammeltem Futter versorgt. Im Frühjahr werden die Vögel mit Ausnahme der Lockvögel wieder in die freie Natur ausgelassen.


Transhumanz – Schafwandertriebe in den Ötztaler Alpen

Antragsteller: Kulturverein Schnals; Verein Pro Vita Alpina Österreich
Bundesland: Tirol

Die Transhumanz in den Ötztaler Alpen ist eine besondere Form des Schafwandertriebs. Die Wanderungen verlaufen über das Timmelsjoch (2494m), das Hochjoch (2885m) und das Niederjoch (3017m) und gelten als die einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen, die über Gletscher führt. Dabei werden nicht nur klimatische, sondern auch Ländergrenzen überschritten. Jährlich werden im Frühsommer rund 5.000 bis 5.500 Schafe aus Südtirol in die Ötztaler Weidegebiete getrieben und im Herbst wieder zurückgetrieben.


Wissen um die Flößerei auf der Oberen Drau

Antragsteller: Oberdrautaler Flößer (Verein)
Bundesland: Kärnten

Die Drau diente in Kärnten bis ins 20. Jahrhundert als wichtige West-Ost-Verbindung und galt ab dem 17. Jahrhundert als die „Kärntner Holzstraße“ für Sägewerke und später Zellulosefabriken. Der früheste urkundlich gesicherte Nachweis eines Güterverkehrs auf der Drau stammt aus dem Jahre 1209. Von Oberkärnten aus wurden Rund- und Schnitthölzer, Eisenprodukte und andere Waren auf Flößen die Drau abwärts verfrachtet. Die mit zwei bis drei Mann besetzten Flöße waren 21,5 m lang, 4,5 m breit, vier- oder fünfstößig und vorne meist mit zwei sowie hinten mit einem Ruder ausgestattet. Zum Zusammenbinden kamen sowohl „Wieden“ (gedrehte Haselstöcke) als auch eiserne Ringhaken zur Verwendung. Das Wissen um die Technik des Floßeinbindens und -fahrens wird auch heute an die junge Generation weitergegeben, indem alljährlich von sechs Ortschaften jeweils ein Floß gebaut und die letzte österreichische Fließstrecke der Drau durchfahren wird.


Wissen um die Haselfichte als Klangholz

Antragsteller: Kassian Erhart, Verein Forum Haselfichte
Bundesland: Tirol

Haselfichten mit ihrem genetisch verankerten Haselwuchs kommen meist in den Waldbeständen der Alpen über 1200 Meter Meereshöhe vor. Nur wenige Holzfachleute sind imstande, diese Holzqualität am stehenden Baum zu erkennen. Eindeutig zu bestimmen ist die Haselfichte, wenn man ein Stückchen Rinde entfernt – und zwar an den in Längsrichtung verlaufenden Rillen. Aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften wird das Holz der Haselfichte seit jeher für den Instrumentenbau, bei dem höchste Ansprüche an die Holzqualität gestellt werden, verwendet.


Wissen um die Standorte, das Ernten und das Verarbeiten des punktierten Enzians

Antragsteller: Gemeinde Galtür, Bürgermeister LR Anton Mattle
Bundesland: Tirol

Das Wissen um die Standorte, das Ernten und das Verarbeiten des Punktierten Enzians (gentiana punctata) wird in der Tiroler Gemeinde Galtür seit Jahrhunderten weiter gegeben. In den Prozess der Ernte – das Graben und Stechen der kostbaren Wurzel – sowie der Weiterverarbeitung – das Brennen des „Enzer“-Schnaps – ist meist die gesamte Bevölkerung eingebunden. Bis heute wird durch Losentscheid jährlich beim Kirchtag festgelegt, welche Familien an der Wurzelgewinnung teilnehmen und den Schnaps brennen dürfen. Seit dem 17. Jahrhundert garantieren lokale Reglementierungen des Wurzel-Sammelns und allgemeine Naturschutzbestimmungen den nachhaltigen Bestand dieser seltenen Enzianart.


Wissen um traditionellen Samenbau und Saatgutgewinnung

Antragsteller: Verein ARCHE NOAH
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Jede Kultur hat spezifische Arten und Sorten als Nahrungspflanzen hervorgebracht und das Wissen und die Techniken haben sich den Ernährungsgewohnheiten und den klimatischen Voraussetzungen angepasst. BäuerInnen und GärtnerInnen haben durch gezieltes Anbauen, Pflegen, Auswählen, Nutzen und Vermehren eine enorme Vielfalt geschaffen. Das Wissen um Samenbau, Samenernte, Selektion, Reinigung und Lagerung wurde und wird in Familien, aber auch in Gemeinschaften von Generation zu Generation weitergegeben. Die bestens an die regionalen Bedingungen angepassten Hof- und Lokalsorten sind nicht nur Ernährungsgrundlage von Familien, Gemeinschaften und Regionen, sondern schaffen innerhalb dieser auch gemeinsame Identität. So sind etwa der Lungauer Tauernroggen, die Wildschönauer Krautingerrübe oder der Vorarlberger Riebelmais unmittelbar mit lokalen Produkten bzw. Gerichten verbunden.


Traditionelle Handwerkstechniken

Apothekeneigene Hausspezialitäten

Antragsteller: Kurapotheke Bad Ischl, Mag. Manfred Heimo Hrovat
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Apothekeneigene Hausspezialitäten, das Wissen um ihre Herstellung und die dazu erforderlichen Gerätschaften zählen seit langem zur gelebten Apothekentradition und stellen ein ursprünglich mündlich überliefertes, später in Rezepturbüchern aufgezeichnetes Fachwissen über Heilmittel und Heilwissen sowie den Umgang mit der Natur dar. Österreichs ApothekerInnen verstehen dieses tradierte Wissen als Bestandteil ihres Kulturerbes.


Bodensee-Radhaube in Laméspitze

Antragsteller: Michael Selb, Trachtengruppe Feldkirch
Bundesland: Vorarlberg

Die Bodensee-Radhaube zeichnet sich vor allem durch das aus Gold- oder Silberfäden auf beiden Seiten gefertigte Ornament aus. Sie wird auf der Vorder- und Rückseite in gleicher Qualität hergestellt und von TrachtenträgerInnen rund um den Bodensee zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel Tanzvorführungen oder Festen sowie zu Repräsentationszwecken, getragen.


Burgenländischer Indigo-Handblaudruck

Antragsteller: Joseph Koó
Bundesland: Burgenland

Unter Indigo-Handblaudruck versteht man das Färben von Stoffen mittels einer speziellen Reservedrucktechnik. Dabei wird in Handarbeit mit Holzmodeln und Papp ein Muster auf den Stoff aufgetragen und mit echtem Indigo gefärbt. Die Stoffdrucktechnik wurde wahrscheinlich durch Zufall entdeckt und lässt sich in zahlreichen Ländern - unter anderem in Ungarn, Tschechien, der Slowakei, aber auch in China, Indien und Ägypten - viele Jahrhunderte zurückverfolgen.


Die Erzeugung der Mollner Maultrommel

Antragsteller: Andreas Rußmann
Bundesland: Oberösterreich

Die Maultrommel ist ein kleines Musikinstrument, bestehend aus einem Metallrahmen und einer Stahlzunge. Zwischen die Zähne gepresst nutzt der angezupfte und schwingende Federstahl den Kopf des Musikers als Resonanzraum. Der Ursprung der Maultrommel wird im Asiatischen Raum vermutet, wobei Funde in Burgruinen und künstlerische Darstellungen in Fresken und Gemälden ihre Verbreitung auch schon im Europa des Mittelalters belegen. Das Bestehen einer Innung der Maultrommelerzeuger ist in Molln seit dem 17. Jahrhundert urkundlich nachweisbar. Von 33 Meistern um 1800 existieren in Molln heute noch drei Familienbetriebe, die Maultrommeln erzeugen und vertreiben. Drei Hauptproduktionsschritte charakterisieren die Herstellung: die Erzeugung bzw. das Biegen des Rahmens, das Stanzen und Einsetzen der Feder in den Rahmen und das Anpassen des Rahmens und Ausformen der Feder. Je nach Qualitätsstandard der Maultrommel werden die Produktionsschritte vollständig in Handarbeit ausgeführt oder maschinell unterstützt hergestellt.


Ferlacher Büchsenmacher

Antragsteller: Kulturring Ferlach, Dipl. Ing. Rainer Adamik
Bundesland: Kärnten

Das Büchsenmacherhandwerk in Ferlach baut seit Generationen auf der Zusammenarbeit von Spezialisten auf. Schäfter gestalten die Holzarbeiten des Gewehrschaftes, Graveure sorgen für die Oberflächengestaltung der Metallteile und Büchsenmacher bringen die verschiedenen Teile in die notwendige Form. Nachdem die staatlichen Aufträge zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurückgingen, erfolgte eine Umstellung auf die Produktion von Jagdwaffen.


Hinterglasmalerei in Sandl

Antragsteller: Norbert Pölz, Johann Pum, Elisabeth Traxl, Elsa Stelzmüller
Bundesland: Oberösterreich

Durch die Zuwanderung von nordböhmischen Spezialisten kam die Hinterglasmalerei um 1760 ins Mühlviertel, das gemeinsam mit dem Waldviertel und Südböhmen bis heute für seine Glasveredelung bekannt ist. In der Gemeinde Sandl wurden die Bilder in den umliegenden Glashütten und im Hausgewerbe hergestellt, auf Jahrmärkten und an Wallfahrtsorten feilgeboten und von „Kraxenträgern“ in alle Länder der Donaumonarchie exportiert. Charakteristisch für die Sandl-Bilder sind zum einen die wenigen, jedoch strahlenden Farben sowie die „Sandler Rose“ zur Ausschmückung der Bildecken. Die Verbreitung billiger Kunstdrucke und das Auflassen der Glashütten ließen die Hinterglasmalerei ab 1940 fast in Vergessenheit geraten. Heute gibt es in Sandl einen hauptberuflichen und mehrere nebenberufliche HinterglasmalerInnen, die diese Tradition weiterführen.


Klöppelei in Salzburg

Antragsteller: Christian Vötter - Verein TAURISKA & Monika Thonhauser
Bundesland: Salzburg

Der Ursprung der Herstellung von Spitze reicht bis in die Renaissance zurück. Mit dieser sollten die Kanten textiler Erzeugnisse nicht nur vor dem Ausfransen geschützt, sondern auch kunstvoll verziert werden. Die große Nachfrage ließ die Klöppelei in Salzburg zu einem Wirtschaftszweig von überregionaler Bedeutung heranwachsen und es entwickelte sich eine eigenständige Form der Spitze, das „Salzburger Nahtl“. In seiner Blütezeit zwischen 1600 bis 1800 stellte dieses Handwerk ein wichtiges Einkommen für unzählige Familien dar, geriet allerdings danach nahezu in Vergessenheit. Seit der Wiederentdeckung der Spitze Mitte des 20. Jahrhunderts wird dieses textile Kunsthandwerk in Kursen gelehrt und weitergegeben.


Köhlerei

Antragsteller: Peter Wieser, Vorstandsmitglied im Europäischen Köhlerverein und Sprecher der österreichischen Köhler
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Bei der Köhlerei handelt es sich um eine Handwerkstechnik aus dem bäuerlichen Umfeld, die primär der Erzeugung von Holzkohle dient. Mittels trockener Destillation wird Holz unter Luftabschluss erhitzt und über eine Zeitspanne von mehreren Wochen durchgekohlt, wobei es in möglichst reinen Kohlenstoff umgewandelt wird.


Korbmachen - Flechtkunst mit Weiden, Stroh und gespaltenem Holz

Antragsteller: Stainzer Korbflechter und Besenbinder aus dem Blaurackenverei LEiV, Kulturverein Gniebing/Weißenbach, Korbflechter aus Fruttendorf-Gießelsdorf
Bundesland: Steiermark

Die Jahrtausende alte Handwerkstechnik des Korbmachens aus unterschiedlichen natürlichen Materialen war seit jeher ein wichtiger Bestandteil des Alltages. Die Körbe, geflochten und genäht aus Weiden, Stroh und gespaltenem Holz, wurden zum Tragen und Aufbewahren von verschiedensten Dingen verwendet. In vielen Teilen Österreichs war das Flechthandwerk ein wichtiges Hausgewerbe. In der Region der Südoststeiermark haben sich eine umfangreiche Wissensvielfalt und ein Variantenreichtum der Flechtkunst erhalten. Nach dem Sammeln und Trocknen des notwendigen Materials über das Jahr treffen sich im südoststeirischen Vulkanland während der Wintermonate regelmäßig KorbmacherInnen und Interessierte. In gemeinsamen Runden und bei Veranstaltungen werden Handwerkstechniken und Materialkenntnis ausgetauscht, gelehrt und praktiziert.


Lesachtaler Brotherstellung

Antragsteller: Lesachtaler Mühlenverein und Kulturvereine Liesing, Mario Lugger und Hans Guggenberger
Bundesland: Kärnten

Die Tradition der Brotherstellung im Lesachtal, insbesondere in den Gemeinden Maria Luggau und Liesing, umfasst den Getreideanbau und die Gewinnung des Korns in einer Bergbauernregion, das notwendige Wissen zum Bau von Mühlen, spezielle Dialektausdrücke, Rituale (wie zum Beispiel das Zeichnen von drei Kreuzen vor dem Anschneiden des Brotes oder das Stecken eines Palmkreuzchens in den Acker) sowie das jährliche Mühlenfest in Maria Luggau und das Lesachtaler Dorf- und Brotfest.


Ofen- und Kaminmaurerei im Burgenland

Antragsteller: Dr. Susanna Steiger-Moser i.V. Museum für Baukultur Neutal
Bundesland: Burgenland

Das Handwerk der Ofen- und Kaminmaurer prägt vor allem die burgenländischen Gemeinden Neutal, Ritzing und Sigless. Sowohl die Familien, in denen das Handwerk ausgeübt wird, als auch die gesamten Dörfer haben eine starke Verbindung zum Ofen- und Kaminmauern.


Österreichisches Sensenschmieden

Antragsteller: Sensenverein Österreich - Hansjörg Rinner
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die Sense zählte vor der Mechanisierung der Landwirtschaft weltweit zu den wichtigsten Erntegeräten. Auch nach der Einführung von Mähmaschinen blieb sie es für bäuerliche Kleinbetriebe und somit für die regionale Grundversorgung bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Günstige wirtschafts-geografische Voraussetzungen (Vorkommen von Eisen, Holz und Wasser) führten in österreichischen Regionen schon in vorindustrieller Zeit zu einem Anwachsen der Sensenerzeugung weit über den Inlandsbedarf hinaus und damit einhergehend zu einem über Jahrhunderte erworbenen Fachwissen, welches die „blaue“ Sense zu einem österreichischen Exporterfolg machte. Mit dem Aufkommen mechanisierter Erntetechniken begann die Industrie des Sensenschmiedens in Österreich jedoch zu stagnieren. Von den etwa 215 Sensenschmieden um 1900 bestehen in Österreich heute nur noch zwei Herstellerbetriebe.


Pecherei in Niederösterreich

Antragsteller: Ernst Schagl i.V. Arbeitsgemeinschaft niederösterreichische Pecherstraße
Bundesland: Niederösterreich

Unter der Pecherei versteht man ein seit Jahrhunderten übliches Handwerk, welches der Gewinnung von Harz von Föhrenbäumen dient. Der Stamm des Baumes wird oberflächlich verwundet, um so den Harzfluss künstlich anzuregen. Das gewonnene Harz, auch Pech genannt, wird in Raffinerien und Siedereien zu Terpentinöl und Kolophonium verarbeitet. Diese Zwischenprodukte waren bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts die Grundlage zur industriellen Erzeugung von Papier, Lacken, Farben, Seife und vielen anderen Produkten.


Pechölbrennen im östlichen Mühlviertel

Antragsteller: Dorfgemeinschaft Elz, Obmann Hermann Sandner
Bundesland: Oberösterreich

Im östlichen Mühlviertel wird das so genannte Pechöl (flüssiges Harz) bis heute mit Hilfe von Pechölsteinen gewonnen. Das Alter dieser Steine ist weitgehend unbekannt; sie bestehen meist aus Granit an deren Oberfläche sich eingekerbte Rillen befinden, ähnlich wie Blattrippen. Auf den leicht geneigten Steinen werden kleine Meiler aus harzreichem Kienholz errichtet und mit Erde abgedeckt. Circa zwei Stunden nach dem Entzünden des Meilers beginnt das Pechöl den Blattrippen-Rinnen folgend zu fließen. Diese Form der Harzgewinnung wird noch von einigen Familien ausgeübt, vor allem aus Gründen der Erhaltung des traditionellen Wissens um das Pechöl und dessen Verwendung. War das Pechöl in der Volksmedizin ursprünglich weit verbreitet, so dient es heutzutage ausschließlich für den Hausgebrauch.


Schmieden in Ybbsitz

Antragsteller: Bgm. Josef Hofmarcher i.V. Marktgemeinde Ybbsitz
Bundesland: Niederösterreich

In Ybbsitz blickt das Schmieden auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. Manche Schmiededynastien, die früher in Anspielung auf ihr Handwerk und ihren beachtlichen Wohlstand gerne als „Schwarze Grafen“ bezeichnet wurden, können auf eine über 200 Jahre lange Familientradition zurückblicken. Die Welser Schmiede etwa befindet sich nun bereits in der 15. Generation im Besitz von ein und derselben Familie.