Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Trägerin des immateriellen Kulturerbes

Erzählen im Montafon

Antragsteller: Dr. MMag. Edith Hessenberger, MMag. Michael Kasper, Bürgermeister Rudi Lerch
Bundesland: Vorarlberg

Im Montafon, einem Vorarlberger Gebirgstal, entwickelten sich im Rahmen der täglichen Kommunikation Erzählgemeinschaften. Die Inhalte, Wertvorstellungen und Muster der lokaltypische Sagen und Erzählungen gehen auf das 19. und 20. Jahrhundert zurück. Die Erzähltradition ist noch heute ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft und wird im Alltag ebenso wie zu besonderen Anlässen gepflegt. Zahlreiche kulturelle Initiativen und KulturträgerInnen im Montafon tragen aktiv zur Sammlung und Erhaltung des lokalen Erzählguts bei, das seit dem 19. Jahrhundert im Interesse der Forschung steht.


Klassische Reitkunst und die Hohe Schule der Spanischen Hofreitschule

Antragsteller: Spanische Hofreitschule - Bundesgestüt Piber Ges.ö.R., Mag. Erwin Klissenbauer
Bundesland: Wien

Das Wissen um die klassische Reitkunst und die Hohe Schule auf und über der Erde wird bis heute an der Spanischen Hofreitschule in Wien von einer Bereitergeneration an die nächste mündlich weitergegeben und in nationalen wie internationalen Reitvorführungen der Öffentlichkeit präsentiert. Die jungen ElevInnen und BereiteranwärterInnen lernen nicht nur von ihren älteren Kollegen, sondern auch von den Schulhengsten selbst.


Lieder der Lovara

Antragsteller: Ruzsa Nikolić-Lakatos
Bundesland: Burgenland, Wien

Lieder sind ein wichtiger Bestandteil der Kulturtradition der Lovara. Der Begriff „Lovara“ geht auf das ungarische Wort für „Pferdehändler“ zurück – den traditionellen Beruf der Lovara. Die Lieder handeln meistens von der Familie und der Gemeinschaft, aber auch die Rolle des Einzelnen und die frühere Lebensweise der Lovara spiegeln sich in ihnen wider. Zudem sind die Lieder ein „Speicher“ der Sprache, beinhalten sie doch für diese Roman-Variante typische Phrasen, Metaphern, Sprechformeln oder auch nur einzelne Ausdrücke, die heute im alltäglichen Gebrauch kaum mehr (bzw. gar keine) Verwendung finden.


Märchenerzählen

Antragsteller: Helmut Wittmann
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Märchenerzählen ist die Kunst, Menschen mit Geschichten auf spielerische und geistig anregende Weise zu unterhalten.


Ötztaler Mundart

Antragsteller: Prof. Dr. Hans Haid, Ötztal-Archiv des Ötztaler Heimatvereins
Bundesland: Tirol

Die Ötztaler Mundart stellt das stärkste und am meisten prägende Element der lokalen Identität der Bevölkerung des Ötztales dar. Sie blickt auf eine rund 900-jährige Tradition zurück.


Roman - die Sprache der Burgenland-Roma

Antragsteller: Barbara Schrammel i.V. Verein [spi:k] und Emmerich Gärtner-Horvath i.V. Verein Roma Service
Bundesland: Burgenland

Beim Roman handelt es sich um eine Varietät des Romani, die spezifisch für die im Burgenland lebenden Roma ist und ausschließlich auf österreichischem Staatsgebiet gesprochen wird. Das Roman kann auf eine über 500-jährige Tradition zurückblicken und wird heute in allen gängigen Medien der Burgenland-Roma verwendet. Gesprochen wird Roman hauptsächlich im familiären Umfeld, aber auch mit Freunden und anderen Mitgliedern der Volksgruppe. Die Weitergabe des Roman erfolgt in erster Linie außerhalb der Familien in Form von Sprachkursen für verschiedene Alterstufen. Da dem Roman seitens der Mehrheitsbevölkerung ein nur geringes Ansehen eingeräumt wird und kaum Interesse daran besteht, sind viele Roma im Burgenland dazu übergegangen, sich hauptsächlich der Mehrheitssprache Deutsch, aber auch der beiden Minderheitensprachen Kroatisch und Ungarisch zu bedienen.


Slowenische Flur- und Hofnamen in Kärnten

Antragsteller: Vertreter der Bürgerinitiativen, Vinko Wieser
Bundesland: Kärnten

Die überlieferten slowenischen Flur- und Hofnamen stellen eine wichtige Quelle zum Verständnis für die wirtschaftlichen, sozialgeschichtlichen und sprachlichen Entwicklungen des Kärntner Raumes dar. Sie sind Bestandteil des Kulturerbes der Kärntner SlowenInnen sowie auch der deutschsprachigen BewohnerInnen der Region.


Vorarlberger Flurnamen

Antragsteller: Mag. Dieter Petras, Thomas Gamon und BM Mag. Harald Sonderegger
Bundesland: Vorarlberg

Da sich Fluren und Äcker in oft weiter Entfernung der Dörfer und Höfe befinden, war ihre genaue örtliche Benennung von großer Bedeutung für das Abschließen von Verträgen, die Erstellung von Wegbeschreibungen und die Berechnung zu entrichtender Abgaben. Über Jahrhunderte hinweg bildeten die dadurch entstandenen Orts- und Flurnamen einen selbstverständlichen Bestandteil der bäuerlichen Lebenswirklichkeit. Erst im Laufe der tief greifenden landwirtschaftlichen Umstrukturierungen nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere ab den Sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden viele Flurnamen obsolet und drohten, in Vergessenheit zu geraten.


Darstellende Künste

Dürrnberger Schwerttanz

Antragsteller: Hermann Gfrerer i. V. Schwerttanz Verein der Dürrnberger Bergknappen
Bundesland: Salzburg

Der Dürrnberger Schwerttanz wird seit rund 500 Jahren praktiziert und ist eng mit der Salzburger Salinenindustrie und dem Bergbau verknüpft. Es handelt sich dabei um einen in der mittelalterlichen Tradition der Handwerker und Standestänze wurzelnden Reigen- und Kettentanz, der ursprünglich von Bergknappen an Berufsfesten und anderen Ehrentagen aufgeführt wurde. Bis heute ist die Aufführung des Schwerttanzes ausschließlich besonderen Anlässen vorbehalten. Der Tanz selbst enthält eine Reihe von Schrittfolgen und komplizierten Tanzfiguren, wobei das Schwert als Bindeglied eingesetzt wird. Dazu wird eine spezielle Bergmannstracht mit den Berufsrequisiten und Standeskennzeichen der Bergleute getragen. Bis zur Schließung der Saline im Jahr 1989 wurde der Schwerttanz unter Vorsitz des Salinendirektors und Bergwerkleiters alle vier Jahre aufgeführt. Seitdem widmet sich der Verein ehemaliger Knappen der Pflege des Tanzes.


Heiligenbluter Sternsinger

Antragsteller: Obmann Hans Schacher i.V. Rotte Hof Heiligenbluter Sternsinger
Bundesland: Kärnten

Die vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammende Tradition des Heiligenbluter Sternsingens hat sich bis heute zum größten Teil in seiner ursprünglichen Form erhalten. Elemente wie das Sternlied oder das Segnen des Hauses mittels Anbringung des Segensspruches Christus Mansionem Benedicat (CMB) über der Haustüre sind bis heute ein fixer Bestandteil dieser Tradition.


Innviertler Landler

Antragsteller: LEADER - Regionen Innviertel und Pramtal
Bundesland: Oberösterreich

Die Geschichte des Innviertler Landlers ist untrennbar mit den Innviertler Zechen verbunden. Diese waren ursprünglich rein bäuerliche Burschenkameradschaften, die eine Form von Geselligkeit und Wirtshauskultur pflegten, und im Zechentanz – dem „Innviertler Landler“ – künstlerische Leistungen von Rang hervorbrachten. Die Zechen waren dabei über lange Zeit fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, der Landler ihr gemeinschaftliches Gesamtwerk. Dabei ist der Innviertler Landler eine Kombination aus Tanz (die „Eicht“), Musik, Dichtung und Gesang – die Melodie, der spezielle, angehängte Jodler („Almer“) und vor allem der „verzogene“ Rhythmus im ¾-Takt machen den Innviertler Landler zu einer spezifischen Spielform innerhalb der österreichischen Ländlerfamilie. Seine zahlreichen regionalen und individuellen Ausprägungen stellen dabei als historisch gewachsene Einheit ein kulturelles Erbe mit einer Tradition von mehr als 250 Jahren dar, das noch heute aktiv von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.


Maultrommelspiel

Antragsteller: Obmann Dr. Franz Kumpl für den Österreichischen Maultrommelverein
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Das Maultrommelspiel zählt zu den ältesten Musikpraktiken der Menschheit und ist vor allem bei den asiatischen Turkvölkern und in Europa verbreitet. Die Maultrommel ist ein Bordun-Instrument, welches aus verschiedenen Metallen und Bambus erzeugt wird. Dabei haben sich Zentren der Produktion und des Spiels mit einer eigenständigen Charakteristik herausgebildet, wobei jeder einzelne Stil historisch gewachsen und in die jeweilige regionale Volkskultur eingebettet ist. In Österreich stellt Molln/Oberösterreich ein solches Zentrum dar. Hier hat sich mit dem typischen „Soloinstrument“ eine Spielweise entwickelt, bei der als musikalische Innovation zwei oder mehr Instrumente verschiedener Stimmung zum Einsatz kommen.


Österreichische Volkstanzbewegung

Antragsteller: Dr. Helmut Jeglitsch, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Die österreichische Volkstanzbewegung wurzelt in der Forschung und Sammeltätigkeit einiger Persönlichkeiten des ausklingenden 19. Jahrhunderts und nahm Anleihen aus ländlichen oft nur noch in Resten erkennbaren Traditionen. Gleichzeitig mit der Systematisierung und Aufzeichnung der verschiedenen Tänze begann auch die Ausrichtung auf österreichische Besonderheiten. Die Tänze wurden jedoch nicht nur gesammelt und für die Nachwelt gesichert, sondern auch wieder verstärkt gelehrt und somit vor dem Aussterben bewahrt.


Passionsspiele Erl

Antragsteller: Passionspielverein Erl
Bundesland: Tirol

[b] Seit 400 Jahren finden in einem Zyklus von sechs Jahren die traditionellen Passionsspiele Erl statt, die ihren Ursprung in den christlichen Osterspielen haben. Trotz mittlerweile international renommiertem Ruf und regem Zuschauerbesuch sind es insbesondere die Einwohner von Erl, die für die Bewahrung dieser traditionell christlichen Spiele eintreten, denn nicht professionelle Schauspieler, sondern die Bewohner der Ortschaft selbst stehen regelmäßig auf der Bühne. Die Rekrutierung der etwa 600 Mitspieler erfolgt ein Jahr vor der Aufführung. Mitglieder des Komitees gehen von Haus zu Haus und fragen jede/n Bewohner/in von Erl, ob er/sie bei den Passionsspielen mitwirken will – ohne Anspruch auf eine bestimmte Rolle. Es werden alle Altersgruppen in das Projekt miteinbezogen, frei nach dem Prinzip ‚generationsübergreifendes Miteinander’.
Trotz der tiefen Verwurzlung in religiösen Glaubensvorstellungen vom Leiden Christi wird anhand von bedachten Textänderungen, dem Einsatz von Musik und der Überarbeitung der Kostüme kontinuierlich versucht, die Attraktivität dieser Veranstaltung nach außen zu wahren, während gleichzeitig der Wunsch der Mitwirkenden nach Kontinuität berücksichtigt wird. [/b]


Rudentanz in Sierning

Antragsteller: Rudenkomitee Sierning
Bundesland: Oberösterreich

Bis ins 20. Jahrhundert war der Ländler als ein „Tanz für alle“ im ganzen süddeutschen Sprachraum und auch darüber hinaus verbreitet. Im Traunviertel wird eine ganz spezielle Form des Ländlers bis heute von den so genannten „Ruden“ - von althochdeutsch „roti“, also „Rudel“ – überliefert. Diese meist bäuerlichen Jungmännerbünde pflegten neben den brauchtümlichen Handlungen im Jahreslauf vor allem den mehrstimmigen Gesang, eine wichtige Voraussetzung für die Bewältigung eines Traunviertler Landlers, dem Kernstück des Rudentanzes. Seit 200 Jahren wird am Faschingsdienstag der Sierninger Rudenkirtag abgehalten, an dem die Traunviertler Ruden (Gruppen von ca. vier bis acht Tanzpaaren) zusammen kommen. Neben Musik, Tanz und Gesang wird dabei besonderes Augenmerk auf die jedes Jahr neugedichteten Gstanzl gelegt, die durch ihre spöttischen wie kritischen Anspielungen auf lokale, nationale und globale politische wie gesellschaftliche Ereignisse als „moralisches Korrektiv“ der gesamten Region dienen.


Sternsingen im Villgratental (Außervillgraten und Innervillgraten)

Antragsteller: MMag. Robert Schmidhofer, Hermann Lanser
Bundesland: Tirol

Jedes Jahr zwischen Weihnachten und dem Fest der Heiligen Drei Könige findet im Villgratental das traditionelle Sternsingen statt. Zwei Tage lang gehen zwei Gruppen in eigens dafür angefertigten Kleidern von Haus zu Haus und singen überlieferte Neujahrslieder.


Wiener Dudler

Antragsteller: Mag. Agnes Palmisano
Bundesland: Wien

Das Dudeln ist ein wichtiger Bestandteil der Wiener Gesangskultur. Sein Ursprung ist am Beginn des 19. Jahrhunderts zu suchen, als Tiroler Sängerschaften sich auf Tourneen durch die Städte Europas begaben und somit der Stadtbevölkerung den Brauch des Jodelns näher brachten. In Wien entwickelte sich das Dudeln vor allem in den Bezirken Ottakring und Hernals.


Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste

Anklöpfeln im Tiroler Unterland

Antragsteller: Joch Weißbacher i. V. Oberauer Anklöpfler
Bundesland: Tirol

Das Anklöpfeln ist ein im Tiroler Unterinntal gepflegter Brauch. Dabei verkleidet sich eine Gruppe zumeist männlicher Sänger als Hirten und stattet danach an den drei Donnerstagen vor Weihnachten (Klöpflnächte) den Häusern der Nachbarschaft einen Besuch ab. Die Sänger werden in das Haus gebeten und stimmen dort einige Lieder an, die die Weihnachtsbotschaft von der Geburt Jesu verkünden.


Aperschnalzen im historischen Rupertiwinkel

Antragsteller: Ing. Ernst Müller, Ehrenobmann Schnalzergruppe Wals
Bundesland: Salzburg

Das „Aperschnalzen“ bezeichnet einen über 200-Jahre alten Brauch im historischen Rupertiwinkel, der heute in mehreren Ortschaften zu beiden Seiten der Grenzflüsse Saalach und Salzach, also in Bayern und Salzburg, praktiziert wird. Zwischen Stephanitag und Faschingsdienstag schnalzen die „Passen“ (Gruppen von neun Personen) bei ihren Treffen mit ihren „Goaßln“ (Peitschen, von „Geisel“) so oft hintereinander, bis sie einen bestimmten Takt hervorbringen. Neben dem Schnalzen bei großen offiziellen Veranstaltungen stellen die Brauchtumswettbewerbe, das sind die jeweiligen „Gemeindeschnalzen“ und das einmal jährlich stattfindende „Rupertigau-Preisschnalzen“, Höhepunkte der Gemeinschaft der Passen dar.


Bergfeuer Ehrwald

Antragsteller: Karlheinz Somweber, Erich Steiner, Martin Senftlechner, Gebhard Schatz, Ehrwald e.V
Bundesland: Tirol

Jährlich zur Sommersonnwende am 21. Juni leuchten im Ehrwalder Talkessel die Bergfeuer. Die aufwändige Vorbereitung liegt in den Händen mehrerer Gruppen, von denen jede ein eigenes Motiv wählt, das maßstabsgerecht gezeichnet, entsprechend der Geländeneigung gestreckt und mit Brennmaterial gelegt wird. Über diese Motive, die stets Aktualität besitzen, herrscht bis 21. Juni vollständiges Stillschweigen.


Bleiberger Knappenkultur

Antragsteller: Bergmännischer Kulturverein und Marktgemeinde Bad Bleiberg
Bundesland: Kärnten

Über Jahrhunderte bildete der Bergbau die wirtschaftliche Lebensgrundlage für die EinwohnerInnen von Bad Bleiberg. Obwohl die Grube 1992 geschlossen wurde, bemühen sich viele Initiativen im Ort um den Erhalt und die Weitergabe der überlieferten Traditionen der Knappenkultur: die Bergmannsprache, die Schrämstollen, das Bleiberger Knappenspiel, die Barbaramesse, der „Ledersprung“ etc. Die Knappenkultur bildet auch heute noch einen wichtigen Bestandteil der Identität der Gemeinde. Ihre Spuren finden sich in Haus- und Flurnamen, den darstellenden Künsten sowie im sozialen Gefüge.


Blochziehen in Fiss

Antragsteller: Verein "Blochziehen Fiss": Obmann Christian Kofler, Obmannstellv. Thomas Wachter
Bundesland: Tirol

Das Blochziehen in Fiss gehört zu den größten Fasnachtsbräuchen im Alpenraum. Es findet im Zweijahresrhythmus statt, wobei sich das Blochziehen der Erwachsenen mit jenem der 6-14 Jährigen, dem Kinder-Blochziehen, abwechselt. Im Spätherbst erfolgt das Blochbaumholen: eine stattliche Zirbe wird gefällt, bewacht und zwei Tage vor dem Umzug auf drei Schlitten aufgelegt. Am Tag des Umzugs versammeln sich die teilnehmenden Figuren im Dorfzentrum, und auf Kommando des Fuhrmannes beginnt sich der Bloch, geschoben von zahlreichen Vermummten, in Bewegung zu setzen. Hexen und „Schwoaftuifl“ versuchen, das Fortkommen zu erschweren. Spielerische Elemente sind nicht nur wesentliche Details, sondern dienen auch der Unterhaltung der Zuschauenden. Nachdem der Bloch beim Schulhaus angelangt ist, wird er versteigert.


Ebenseer Fetzenzug

Antragsteller: Johannes Scheck i. V. Verein Ebenseer Fasching
Bundesland: Oberösterreich

Beim Ebenseer Fetzenzug handelt es sich um einen jährlich am Faschingsmontag in und um Ebensee stattfindenden Faschingsumzug, dessen genaue Ursprünge nicht geklärt sind. Die Teilnehmenden, die so genannten „Fetzen“, kleiden sich in alte Frauengewänder, an die Lumpen genäht sind. Sie tragen einen Fetzenhut sowie eine kunstvoll geschnitzte Holzmaske. Der Zug trifft sich traditionell bei einem Gasthaus in Kohlstatt und zieht dann bis zum Rathaus der Marktgemeinde Ebensee. Dort beginnt der eigentliche Höhepunkt der Veranstaltung, das „Austadeln“: Die Fetzen sagen ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit verstellter Stimme die Meinung. Ziel ist es, dabei nicht erkannt zu werden. Begleitet wird das bunte Treiben vom „Parapluie-Marsch“, auch „Fetzenmarsch“ genannt.


Ebenseer Glöcklerlauf

Antragsteller: Edi Promberger
Bundesland: Oberösterreich

Ausgehend von Ebensee verbreitete sich der Brauch des Glöcklerlaufens über das gesamte Salzkammergut und die Wolfgangseeregion bis in die Steiermark. Dieser jährlich am 5. Januar stattfindende Brauch ist gekennzeichnet durch das typisch weiße Gewand aller Passen, das Tragen und Läuten von großen Glocken, dem Laufen von verschiedenen Figuren und dem Mittragen von Lichterkappen. In den letzten Jahrzehnten erstarkte das Interesse am Glöcklerlaufen in großen Teilen des Salzkammergutes, da man auch das touristische Potential dieser Tradition erkannte.


Fasnacht Imst - Schemenlaufen

Antragsteller: Die Gemeinschaft der Imster Fasnachtler, Obmann Uli Gstrein, Mag. Manfred Thurner
Bundesland: Tirol

Schemenlaufen wird in Imst im Tiroler Oberland ein Umzug zur Fasnachtszeit mit 26 unterschiedlichen Maskentypen genannt. Dieses Ereignis findet alle vier Jahre statt.


Fasnacht Nassereith - Schellerlaufen

Antragsteller: Obmann Spielmann Gerhard im Namen vom Fasnachtskomitee Nassereith für die Gemeinschaft der Nassereither Fasnacht
Bundesland: Tirol

Bei der Fasnacht Nassereith, seit 1951 auch als „Schellerlaufen“ bezeichnet, handelt es sich um einen Fasnachtsbrauch, welcher in einem Intervall von drei Jahren in der Ortsgemeinde Nassereith, Bezirk Imst/Tirol an einem Tag zwischen dem Dreikönigstag (6. Jänner) und Aschermittwoch stattfindet. Im Zentrum der Nassereither Fasnacht steht der Umzug, welcher sich durch seine Farbenpracht und den typischen Holzlarven auszeichnet. Dabei wird das Schellerlaufen nach genau überlieferten Regeln durchgeführt und das Wissen um die Herstellung der Masken, Kostüme und Fasnachtsutensilien von Generation zu Generation weitergegeben. Für die Organisation und Abwicklung der Fasnacht wird seit dem Jahr 1923 ein Fasnachtskomitee für die Dauer von 6 Jahren gewählt.


Festbrauch der Bürger- und Schützengarden des Bezirkes Murau

Antragsteller: Obmann Rudolf Paschek für den Bezirksverband der Bürger- und Schützengarden des Bezirkes Murau
Bundesland: Steiermark

Fünf Bürger- und Schützengarden sind im Bezirksverband des Bezirkes Murau organisiert: die Murauer Bürgergarde, die Schützengarde Krakaudorf, die Schützengarde Krakauebene, die Prangschützengarde Ranten und die Schützengarde der Pfarrgemeinde St. Peter am Kammersberg. Als Ehrengarden rücken sie mehrmals im Jahr bei festlichen Anlässen und kirchlichen Prozessionen aus und erhöhen dadurch die Feierlichkeit des Geschehens. Durch die traditionelle Verbindung zur Kirche gehören Fronleichnam und das Patroziniumsfest zu den fixen Ausrückungen. Die Garden fungieren als Ehrenschutz bei Jubiläen, Hochzeiten und bei Besuchen von hochrangigen Persönlichkeiten. Sie zeichnen sich durch traditionelle Uniformen und Ausrüstungsgegenstände sowie durch ihren typischen Marsch aus.


Funkensonntag

Antragsteller: Mag. Hanno Platzgummer i.V. Funkenzunft Oberdorf
Bundesland: Vorarlberg

Die Praxis des Funkensonntags ist in ganz Vorarlberg verbreitet. In jeder Gemeinde findet am Sonntag nach Aschermittwoch ein eigener Funken zum Ausklang der Alten Fastnacht statt. In der größten Stadtgemeinde Vorarlbergs, in Dornbirn, gibt es sogar eine Vielzahl an Funken, die von verschiedenen Funkenzünften veranstaltet werden.


Gasteiner Perchten

Antragsteller: Andreas Mühlberger i.V. Verein Gasteiner Perchten
Bundesland: Salzburg

Die Tradition des Gasteiner Perchtenlaufs reicht bis zu den Faschingsläufen der Renaissancezeit und des Rokoko zurück und findet alle vier Jahre zwischen Neujahr und dem Dreikönigstag im Raum Bad Gastein und Bad Hofgastein statt. Unter den ungefähr 140 verschiedenen mitlaufenden Figuren befinden sich auch rund 30 Kappenträger, die einen eindrucksvollen, meist mehrere Meter hohen Kopfschmuck tragen. Die Kappenträger bringen dabei den ZuschauerInnen entlang des Weges in Form einer kurzen Tanzdarbietung und einer Verbeugung auf Befehl des Perchtenhauptmanns Glück- und Segenswünsche.


Hundstoaranggeln

Antragsteller: Salzburger Rangglerverband, Landesobmann Hans Bernsteiner
Bundesland: Salzburg

Das Hundstoaranggeln am Hohen Hundstein im Pinzgau ist vermutlich die älteste im Alpenraum ausgetragene Sportart. Seine Wurzeln reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück.


Lichtbratlmontag in Bad Ischl

Antragsteller: Hannes Heide, Bürgermeister der Stadtgemeinde Bad Ischl
Bundesland: Oberösterreich

Alljährlich am Montag nach Michaeli (29. September) wird in Bad Ischl der Lichtbratlmontag begangen. Dieser bezieht sich auf einen Brauch, bei dem früher der Meister seinen Mitarbeitern ein „Bratl“ spendierte, da an diesem Tag erstmals wieder mit künstlichem Licht gearbeitet werden musste. Heute handelt es sich um ein Jahrgangstreffen aller runden Jubilare ab 50 eines jeweiligen Jahres, die in Bad Ischl geboren sind oder dort ihren Hauptwohnsitz haben.


Mullen und Matschgern in den MARTHA-Dörfern

Antragsteller: Martin Kapferer i.V. Gemeinschaft der Muller und Matschgerer der Stadtteile Mühlau und Arzl bzw. der Dörfer Rum, Thaur und Absam
Bundesland: Tirol

Der in der Fastnacht praktizierte Brauch des Mullens beziehungsweise Matschgerns (von Maske/Maskieren) blickt in den MARTHA-Dörfern nördlich von Innsbruck auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Jeder Figur kommt eine spezielle Rolle zu, so fungieren die Hexen als Wegbereiter, andere Figuren wie etwa der Spiegeltuxer beeindrucken durch ihr imposantes Auftreten und wieder andere sind als Ordnungshüter tätig. Das ausgelassene und bunte Treiben gipfelt im so genannten Mullen oder Abmullen, einer Art Ehrbezeugung, bei der sich der Brauchträger eine Person aus der Menge aussucht, ihre Schulter reibt und ihr einen kleinen Schlag versetzt.


Murauer Faschingrennen

Antragsteller: Mag. Alfred Baltzer und Ing. Rudolf Paschek, i.V. Arbeitskreis Volkskultur Murau
Bundesland: Steiermark

Dieser kräfteraubende und aufwändige Umzugs- und Heischebrauch wird in regelmäßigen Abständen von zwei bis fünf Jahren an einem bestimmten Tag im Jahr, meist am Faschingsmontag, in mehreren Orten im Bezirk Murau ausgeübt. Die Ausstattung der Faschingrenner erinnert an die einstige Kleidung der Drescher. Dennoch weisen das äußere Erscheinungsbild und die Anzahl der Faschingrenner und ihrer Begleitfiguren geringfügige örtliche Unterschiede auf. Die mitwirkenden Gruppen und Einzelfiguren bewegen sich entweder auf Fahrzeugen oder zu Fuß von Hof zu Hof und müssen vor dem Einlass Hindernisse bewältigen: entweder eine gespannte Kette (Speng) überwinden oder die Herausforderung zum Zweikampf annehmen.


Perchtoldsdorfer Hütereinzug

Antragsteller: Christian Neumayer i.V. für die Weinhüter; Franz Distl i.V. für den Weinbauverein der Marktgemeinde Perchtoldsdorf
Bundesland: Niederösterreich

Der Hütereinzug ist ein fester Bestandteil des Jahreslaufs der Perchtoldsdorfer Weinhauer, auch wenn das Berufsbild des Hüters im Laufe der 1970er Jahre obsolet wurde und verschwand.


Pinzgauer Tresterertanz der Salzburger ALPINIA

Antragsteller: GTEV ALPINIA Salzburg vertreten durch Erwin Laubichler
Bundesland: Salzburg

Beim Pinzgauer Tresterertanz handelt es sich um eine regionale Sonderform des Schönperchtenlaufens. Der Rundtanz mit Hüpf- und Stampfschritten und typischen Kostümen wird jährlich im Salzburger Bezirk Pinzgau am 5. Jänner, dem Perchtenabend vor Dreikönig bei einbrechender Dunkelheit als Umlaufbrauch von Haus zu Haus aufgeführt. Die Gruppe von Tänzern wird von Musikern begleitet. Der Besuch der Tresterer gilt als Auszeichnung und gutes Omen für das neue Jahr.


Salzburger Festschützenwesen

Antragsteller: Herbert Handlechner i.V. Landesverband der Salzburger Schützen
Bundesland: Salzburg

Das Festschützenwesen ist Bestandteil des Brauchtums im gesamten Land Salzburg. Obwohl sich vor allem das zum Schießen verwendete Gerät von Ort zu Ort massiv unterscheidet – der Bogen reicht von traditionellen Holzgewehren bis hin zu Prangerstutzen und Böllern – sind die Aufgaben, die die Schützenvereine in den Gemeinden wahrnehmen, sehr ähnlich.


Samsontragen im Lungau und Bezirk Murau

Antragsteller: Gauverband der Lungauer Heimat- und Brauchtumsvereinigungen, Gauobmann Eduard Fuchsberger
Bundesland: Salzburg, Steiermark

In Österreich ist der Brauch des Samsontragens nur im Salzburger Lungau sowie in zwei Gemeinden der angrenzenden Steiermark beheimatet. Er ist fixer Bestandteil des regionalen Brauchtumkalenders und sorgt immer für regen Zulauf.


Stille Nacht - das Lied zur Weihnacht

Antragsteller: MMag. Michael Neureiter i.V. Stille-Nacht-Gesellschaft
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Das im Jahr 1818 komponierte Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ bildet für zahlreiche Menschen einen Fixpunkt des Heiligen Abends und ist aus Feiern im Familien- und Freundeskreis sowie kirchlichen Feiern, insbesondere der Christmette, nicht wegzudenken. Für viele ist es der Inbegriff des Weihnachtsliedes überhaupt.


Telfer Schleicherlaufen

Antragsteller: Fasnachtkomitee Telfs, Obmann Dr. Stephan Opperer
Bundesland: Tirol

Rund 500 Männer nehmen aktiv an der Tradition des Telfer Schleicherlaufens teil. Alle fünf Jahre finden sie sich neu in ihren Fasnachtsgruppen zusammen. Diverse Fasnachtschroniken belegen, dass viele Familien seit Generationen am Telfer Schleicherlaufen teilnehmen. Ein großer Teil der Telfer Bevölkerung ist auch durch das Herrichten der Gewänder, das Ausbessern des Schmuckes etc. in die Fasnachtsvorbereitungen eingebunden.


Verein für gegenseitige Hilfeleistung bei Brandfällen "Nebenleistung"

Antragsteller: Verein für gegenseitige Hilfeleistung bei Brandfällen ,Nebenleistung', Obmann Johann Wimmer
Bundesland: Niederösterreich

Der Verein für gegenseitige Hilfeleistung bei Brandfällen „Nebenleistung“ ist eine Selbsthilfeorganisation in St. Oswald im Yspertal (Niederösterreich), die bei Brandfällen in der Region in Form von Arbeitsleistungen, Naturalien oder Geld Hilfe zur Verfügung stellt. Die Kurzbezeichnung für den Verein lautet „Nebenleistung“.


Vereinigte zu Tamsweg

Antragsteller: Die Vereinigten zu Tamsweg, Kommissär Dr. Raimund Schiefer
Bundesland: Salzburg

Die „Vereinigten zu Tamsweg“ ist die älteste, durchgehend existierende Vereinigung berufstätiger Männer im regionalen Umfeld von Tamsweg und wurde von Lungauer Handwerkern im Jahr 1738 als Begräbnisbruderschaft gegründet. Bis heute begleiten die Mitglieder Begräbnisse, nehmen an kirchlichen Prozessionen teil und halten jährlich zwischen 1. Jänner und dem Samstag nach dem Aschermittwoch die Vereinigtenoktav - eine Festwoche - ab, an der nicht nur Tamsweger teilnehmen, sondern auch Angehörige der Bruderschaft aus den Bundesländern.


Wiener Kaffeehauskultur

Antragsteller: Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer, Klubobmann KommR Maximilian K. Platzer
Bundesland: Wien

Die Tradition der Wiener Kaffeehauskultur reicht bis an das Ende des 17. Jahrhunderts zurück und ist durch eine ganz spezielle Atmosphäre geprägt. Typisch für ein Wiener Kaffeehaus sind Marmortischchen, auf denen der Kaffee serviert wird, Thonetstühle, Logen, Zeitungstischchen und Details der Innenausstattung im Stil des Historismus. Die Kaffeehäuser sind ein Ort, „in dem Zeit und Raum konsumiert werden, aber nur der Kaffee auf der Rechnung steht“.


Windischgarstner Niglo-Umzug

Antragsteller: Jörg Strohmann i.V. Obmann des Heimat- und Museumsvereins Windischgarsten, beauftragtes Mitglied des Trachtenvereins d’Garstnertaler
Bundesland: Oberösterreich

Der Niglo-Umzug am Vorabend des Nikolaustages (6. Dezember) bildet einen jährlichen Fixpunkt der Adventzeit in Windischgarsten. Er besteht aus ungefähr 30 Personen: dem Nachtwächter, dem Nigloherrn (ein Herr in städtischer Bekleidung) und der Niglofrau (eine jüngere Frau mit weißem Kleid und Krone), mehreren Nigeln (in Pelz gehüllte Krampusse mit Larven, um den Körper Schellen und Birkenruten tragend), mehreren Engeln, dem Teufel, dem Heiligen Nikolaus und verschiedenen Nebenfiguren. Die bunte Gesellschaft versammelt sich beim Heimathaus und zieht dann durch den Markt in den Rathaushof, wo sich die Figuren auf der Bühne präsentieren und der Nigloherr und der Nikolaus je ein Gedicht vortragen. Zum Abschluss erhalten die anwesenden Kinder ein kleines Geschenk.


Wirlinger Böllerschützen

Antragsteller: Matthias Plamberger i.V. Verein Traditionsschützen Wirling
Bundesland: Oberösterreich

Der Traditionsschützenverein Wirling ist österreichweit der vermutlich einzige Verein, der berechtigt ist, das traditionelle Böllerschießen zu betreiben. Die Hauptaufgabe der Böllerschützen besteht darin, religiöse sowie weltliche Feste wie Hochzeiten, kirchliche Feste und Umzüge sowie das Rauhnachtsschießen mitzugestalten. Dabei wird ein eigens dafür konstruiertes Böllergeschütz auf einer Anhöhe in Stellung gebracht und je nach Anlass zu genau festgelegten Zeiten abgefeuert. Wichtig ist, dass immer das Echo des Böllerknalls, welches bis zu zwölf Sekunden dauern kann, vor der Abgabe des nächsten Schusses abzuwarten ist.


Wissen und Praktiken in Bezug auf die Natur und das Universum

Dreistufenlandwirtschaft im Bregenzerwald

Antragsteller: Michael Moosbrugger i.V. Verein zur Förderung der Bregenzerwälder Käsekultur
Bundesland: Vorarlberg

Da das silofreie Futter aus den hofeigenen Flächen bei den meisten im Bregenzerwald angesiedelten bäuerlichen Betrieben nicht ausreicht, um das Vieh ganzjährig zu versorgen, bedienen sich die Bregenzerwälder Bäuerinnen und Bauern bis heute einer altbewährten Bewirtschaftungsform, der so genannten Dreistufenlandwirtschaft. Im jahreszeitlichen Kreislauf der Dreistufenlandwirtschaft ziehen die Familien oder ein Teil der Familie im Spätfrühling mit dem Vieh vom Hof zuerst auf das Vorsäß (eine niedrig gelegene Alm) und etwa Anfang Juli auf die Alpe.


Falknerei

Antragsteller: HR Dr. Harald Barsch, Österreichischer Falknerbund und Zentralstelle Österreichischer Falknervereine (ZÖF)
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Falknerei ist die Kunst, mit Vögeln zu jagen. Im engsten Sinne umfasst der Terminus „Falknerei“ die Jagd mit speziell dafür abgerichteten Falken, es werden aber auch Habichte, Sperber und Adler eingesetzt. Neben der Jagd dient die Falknerei auch der Nachzucht von Greifvögeln.


Heilwissen der PinzgauerInnen

Antragsteller: TEH Verein, Obfrau Theresia Harrer, GF Mag. Karin Buchart
Bundesland: Salzburg

Das überlieferte Heilwissen der PinzgauerInnen und seine praktische Anwendung wurden im Jahr 2005 erstmals erhoben und schriftlich dokumentiert. Es liegt eine Liste mit bisher 106 Heilmitteln sowie deren Indikationen und Wirkungen vor. Die verwendeten Heilmittel wie zum Beispiel Pech, Arnika oder Johanniskraut sind lokal verfügbar, in den kulturellen Kontext eingebettet und so untrennbar mit der Region verbunden. Das Erfahrungswissen wird mündlich und praktisch nach dem „Meister-Schüler-Prinzip“ tradiert. Damit ein Rezept weitergegeben wird, muss sich seine Wirksamkeit über Jahrhunderte hinweg bewährt haben.


Salzkammergut Vogelfang

Antragsteller: Salzkammergutverband der Vogelfreunde, Obmann Alfred Riezinger
Bundesland: Oberösterreich

Die Tradition des Vogelfangs im Salzkammergut umfasst den Fang einzelner heimischer Waldvögel im Herbst, die Haltung der Vögel außerhalb der Fangzeit in Volièren, und die Waldvogelausstellung am Sonntag vor Kathrein (25. November), in der die schönsten Vögel aufgrund ihrer Farbenpracht, Unversehrtheit und ihres einwandfreien Pflegezustands prämiert werden. Die Vögel werden mit heimischem, über das Jahr gesammeltem Futter versorgt. Im Frühjahr werden die Vögel mit Ausnahme der Lockvögel wieder in die freie Natur ausgelassen.


Transhumanz – Schafwandertriebe in den Ötztaler Alpen

Antragsteller: Kulturverein Schnals; Verein Pro Vita Alpina Österreich
Bundesland: Tirol

Die Transhumanz in den Ötztaler Alpen ist eine besondere Form des Schafwandertriebs. Die Wanderungen verlaufen über das Timmelsjoch (2494m), das Hochjoch (2885m) und das Niederjoch (3017m) und gelten als die einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen, die über Gletscher führt. Dabei werden nicht nur klimatische, sondern auch Ländergrenzen überschritten. Jährlich werden im Frühsommer rund 5.000 bis 5.500 Schafe aus Südtirol in die Ötztaler Weidegebiete getrieben und im Herbst wieder zurückgetrieben.


Wissen um die Haselfichte als Klangholz

Antragsteller: Kassian Erhart, Verein Forum Haselfichte
Bundesland: Tirol

Haselfichten mit ihrem genetisch verankerten Haselwuchs kommen meist in den Waldbeständen der Alpen über 1200 Meter Meereshöhe vor. Nur wenige Holzfachleute sind imstande, diese Holzqualität am stehenden Baum zu erkennen. Eindeutig zu bestimmen ist die Haselfichte, wenn man ein Stückchen Rinde entfernt – und zwar an den in Längsrichtung verlaufenden Rillen. Aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften wird das Holz der Haselfichte seit jeher für den Instrumentenbau, bei dem höchste Ansprüche an die Holzqualität gestellt werden, verwendet.


Traditionelle Handwerkstechniken

Apothekeneigene Hausspezialitäten

Antragsteller: Kurapotheke Bad Ischl, Mag. Manfred Heimo Hrovat
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Apothekeneigene Hausspezialitäten, das Wissen um ihre Herstellung und die dazu erforderlichen Gerätschaften zählen seit langem zur gelebten Apothekentradition und stellen ein ursprünglich mündlich überliefertes, später in Rezepturbüchern aufgezeichnetes Fachwissen über Heilmittel und Heilwissen sowie den Umgang mit der Natur dar. Österreichs ApothekerInnen verstehen dieses tradierte Wissen als Bestandteil ihres Kulturerbes.


Bodensee-Radhaube in Laméspitze

Antragsteller: Michael Selb, Trachtengruppe Feldkirch
Bundesland: Vorarlberg

Die Bodensee-Radhaube zeichnet sich vor allem durch das aus Gold- oder Silberfäden auf beiden Seiten gefertigte Ornament aus. Sie wird auf der Vorder- und Rückseite in gleicher Qualität hergestellt und von TrachtenträgerInnen rund um den Bodensee zu besonderen Anlässen, wie zum Beispiel Tanzvorführungen oder Festen sowie zu Repräsentationszwecken, getragen.


Burgenländischer Indigo-Handblaudruck

Antragsteller: Joseph Koó
Bundesland: Burgenland

Unter Indigo-Handblaudruck versteht man das Färben von Stoffen mittels einer speziellen Reservedrucktechnik. Dabei wird in Handarbeit mit Holzmodeln und Papp ein Muster auf den Stoff aufgetragen und mit echtem Indigo gefärbt. Die Stoffdrucktechnik wurde wahrscheinlich durch Zufall entdeckt und lässt sich in zahlreichen Ländern - unter anderem in Ungarn, Tschechien, der Slowakei, aber auch in China, Indien und Ägypten - viele Jahrhunderte zurückverfolgen.


Ferlacher Büchsenmacher

Antragsteller: Kulturring Ferlach, Dipl. Ing. Rainer Adamik
Bundesland: Kärnten

Das Büchsenmacherhandwerk in Ferlach baut seit Generationen auf der Zusammenarbeit von Spezialisten auf. Schäfter gestalten die Holzarbeiten des Gewehrschaftes, Graveure sorgen für die Oberflächengestaltung der Metallteile und Büchsenmacher bringen die verschiedenen Teile in die notwendige Form. Nachdem die staatlichen Aufträge zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurückgingen, erfolgte eine Umstellung auf die Produktion von Jagdwaffen.


Hinterglasmalerei in Sandl

Antragsteller: Norbert Pölz, Johann Pum, Elisabeth Traxl, Elsa Stelzmüller
Bundesland: Oberösterreich

Durch die Zuwanderung von nordböhmischen Spezialisten in der Glasveredelung kam die Hinterglasmalerei um 1760 nach Buchers und Sandl ins Mühlviertel, das gemeinsam mit dem Waldviertel und Südböhmen bis heute für seine Glasveredelung bekannt ist. Die gute Verfügbarkeit der Rohstoffe Holz und Quarzsand begünstigte die Entwicklung der Hinterglasmalerei. In Sandl wurden die Bilder in den umliegenden Glashütten und im Hausgewerbe hergestellt, auf Jahrmärkten und an Wallfahrtsorten feilgeboten und von „Kraxenträgern“ in alle Länder der Donaumonarchie exportiert. Waren es ursprünglich Kleinhandwerker, die sich mit dem Bemalen der Glastafeln ihr kärgliches Einkommen aufbesserten, wurden die Malvorgänge später arbeitsteilig, etwa in der Familie, durchgeführt. Heute gibt es in Sandl einen hauptberuflichen und mehrere nebenberufliche HinterglasmalerInnen, die diese Tradition weiterführen.


Klöppelei in Salzburg

Antragsteller: Verein TAURISKA & Monika Thonhauser
Bundesland: Salzburg

Der Ursprung der Spitze reicht in die Renaissance zurück. Mit dieser sollten die Kanten textiler Erzeugnisse nicht nur vor dem Ausfransen geschützt, sondern auch kunstvoll verziert werden. Die große Nachfrage ließ die Handwerkstechnik der Klöppelei in Salzburg zu einem Wirtschaftszweig von überregionaler Bedeutung heranwachsen und es entwickelte sich eine eigenständige Form der Spitze. Klöppelarbeiten wurden vorwiegend in Hausindustrien angefertigt und nicht nur für den regionalen Bedarf verwendet, sondern auch ins Ausland exportiert, wodurch sie ein wichtiges Einkommen für unzählige Familien darstellten. Nach seiner Blütezeit zwischen 1600 bis 1800 geriet das Handwerk in Vergessenheit, bis es Mitte des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und -belebt wurde und seitdem in Kursen gelehrt und weitergegeben wird.


Köhlerei

Antragsteller: Peter Wieser, Vorstandsmitglied im Europäischen Köhlerverein und Sprecher der österreichischen Köhler
Bundesland: Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien

Bei der Köhlerei handelt es sich um eine Handwerkstechnik aus dem bäuerlichen Umfeld, die primär der Erzeugung von Holzkohle dient. Mittels trockener Destillation wird Holz unter Luftabschluss erhitzt und über eine Zeitspanne von mehreren Wochen durchgekohlt, wobei es in möglichst reinen Kohlenstoff umgewandelt wird.


Korbmachen - Flechtkunst mit Weiden, Stroh und gespaltenem Holz

Antragsteller: Stainzer Korbflechter und Besenbinder aus dem Blaurackenverei LEiV, Kulturverein Gniebing/Weißenbach, Korbflechter aus Fruttendorf-Gießelsdorf
Bundesland: Steiermark

Die über Jahrtausende alte Handwerkstechnik des Korbmachens aus unterschiedlichen natürlichen Materialen war seit jeher wichtiger Bestandteil des Alltages. Die Körbe, geflochten und genäht aus Weiden, Stroh und gespaltenen Holz, wurden zum Tragen und Aufbewahren von verschiedensten Dingen verwendet. In vielen Teilen Österreichs war das Flechthandwerk ein wichtiges Hausgewerbe. Besonders in der Region der Südoststeiermark hat sich eine umfangreiche Wissensvielfalt und ein Variantenreichtum in der Flechtkunst entwickelt.
Mit dem Aufkommen von Behältern aus anderen Materialien und einem allgemeinen Rückgang der Nachfrage wurde der Korb jedoch nicht mehr gebraucht und das Flechthandwerk geriet Mitte des 20. Jahrhunderts zunehmend in Vergessenheit. Um diesem Trend entgegen zu wirken wurden seit 1998 im südoststeirischen Vulkanland mehrere KorbflechterInnen-Runden ins Leben gerufen. Aus mehreren Gemeinden der Umgebung treffen sich seitdem regelmäßig in den Wintermonaten KorbflechterInnen und solche, die es von diesen erlernen möchten. In den Runden wird sowohl die traditionelle Handwerkstechnik gelehrt als auch das Wissen um die Materialbeschaffenheit vermittelt. Bei Veranstaltungen (regionale Feste, Handwerksmärkte,…) wird das Korbflechten regelmäßig vorgezeigt um eine größere Öffentlichkeit für dieses Kunsthandwerk zu begeistern und dieses zu erhalten.


Lesachtaler Brotherstellung

Antragsteller: Lesachtaler Mühlenverein und Kulturvereine Liesing, Mario Lugger und Hans Guggenberger
Bundesland: Kärnten

Die Tradition der Brotherstellung im Lesachtal, insbesondere in den Gemeinden Maria Luggau und Liesing, umfasst den Getreideanbau und die Gewinnung des Korns in einer Bergbauernregion, das notwendige Wissen zum Bau von Mühlen, spezielle Dialektausdrücke, Rituale (wie zum Beispiel das Zeichnen von drei Kreuzen vor dem Anschneiden des Brotes oder das Stecken eines Palmkreuzchens in den Acker) sowie das jährliche Mühlenfest in Maria Luggau und das Lesachtaler Dorf- und Brotfest.


Ofen- und Kaminmaurerei im Burgenland

Antragsteller: Dr. Susanna Steiger-Moser i.V. Museum für Baukultur Neutal
Bundesland: Burgenland

Das Handwerk der Ofen- und Kaminmaurer prägt vor allem die burgenländischen Gemeinden Neutal, Ritzing und Sigless. Sowohl die Familien, in denen das Handwerk ausgeübt wird, als auch die gesamten Dörfer haben eine starke Verbindung zum Ofen- und Kaminmauern.


Pecherei in Niederösterreich

Antragsteller: Ernst Schagl i.V. Arbeitsgemeinschaft niederösterreichische Pecherstraße
Bundesland: Niederösterreich

Unter der Pecherei versteht man ein seit Jahrhunderten übliches Handwerk, welches der Gewinnung von Harz von Föhrenbäumen dient. Der Stamm des Baumes wird oberflächlich verwundet, um so den Harzfluss künstlich anzuregen. Das gewonnene Harz, auch Pech genannt, wird in Raffinerien und Siedereien zu Terpentinöl und Kolophonium verarbeitet. Diese Zwischenprodukte waren bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts die Grundlage zur industriellen Erzeugung von Papier, Lacken, Farben, Seife und vielen anderen Produkten.


Schmieden in Ybbsitz

Antragsteller: Bgm. Josef Hofmarcher i.V. Marktgemeinde Ybbsitz
Bundesland: Niederösterreich

In Ybbsitz blickt das Schmieden auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. Manche Schmiededynastien, die früher in Anspielung auf ihr Handwerk und ihren beachtlichen Wohlstand gerne als „Schwarze Grafen“ bezeichnet wurden, können auf eine über 200 Jahre lange Familientradition zurückblicken. Die Welser Schmiede etwa befindet sich nun bereits in der 15. Generation im Besitz von ein und derselben Familie.