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Dokumentenerbe

„Memory of the World“/„Gedächtnis der Menschheit“  
Foto: © Österreichische Nationalbibliothek

Die Österreichische Mediathek – eine akustische Chronik der österreichischen Geschichte

Die Österreichische Mediathek ist das österreichische Archiv für Tonaufnahmen und Videos aus Kultur- und Zeitgeschichte und verantwortlich für die Bewahrung des audiovisuellen Kulturerbes Österreichs. Sie sammelt in Österreich erschienene beziehungsweise hergestellte audiovisuelle Medien sowie internationale Aufnahmen mit Österreichbezug.

Gastbeitrag von Dr. Gabriele Fröschl, Leiterin der Österreichischen Mediathek

Zur Bewahrung ihrer Sammlungen hat sich die Österreichische Mediathek auf die Digitalisierung und digitale Langzeitarchivierung von Audio- und Videomaterial spezialisiert. Laufende wissenschaftliche Projekte widmen sich der inhaltlichen Aufarbeitung von Archivbeständen.

Die Sammlungen der Österreichischen Mediathek umfassen die Themenbereiche Musik, Literatur, Geschichte, Politik und Wissenschaft und schließen einen Zeitraum vom Ende des 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart ein. Virtuelle Ausstellungen und Online-Mediendatenbanken widmen sich diversen Schwerpunktthemen: Eine akustische Chronik illustriert die österreichische Geschichte des 20. Jahrhunderts, www.journale.at. stellt die Hörfunkjournale des Senders Ö1 von 1967 bis 1999 in voller Länge zur Verfügung, das Online-Archiv „Österreich am Wort“ bietet über 14.000 Tonaufnahmen und Videos zur österreichischen Kulturgeschichte und ein akustischer Stadtplan Wiens bringt Archivaufnahmen an ihre Originalschauplätze zurück.

Für die Österreichische Mediathek ist es eine wichtige Anerkennung ihrer Arbeit, dass in den letzten Jahren bedeutende Sammlungen aus ihrem Bestand in das Programm Memory of Austria – Österreichisches UNESCO-Dokumentenerbe aufgenommen wurden. Nach den Filmen des Österreichischen Instituts für den wissenschaftlichen Film (ÖWF) 2014 wurden 2016 gleich drei Sammlungen aufgenommen, der Schwerpunkt lag im Bereich der Radiogeschichte.

Einen einzigartigen und für die österreichische Radiogeschichte der Nachkriegszeit bedeutsamen Bestand stellen die in Kooperation mit der Wienbibliothek im Rathaus eingereichten Radioaufnahmen des United States Information Service (USIS) in Österreich dar. Die United States Information Agency wurde 1953 gegründet und war für Öffentlichkeitsarbeit bzw. „Public Diplomacy“ im Auftrag der US-Regierung zuständig. Die Sammlung enthält eine große Zahl von Interviews mit österreichischen Persönlichkeiten aus Kultur und Politik.

Gemeinsam mit dem ORF wurden die historischen Radioaufnahmen der RAVAG und der Sendergruppe Rot-Weiß-Rot eingereicht. Die erhaltenen Sendungsfragmente der „Radio Verkehrs AG“ spiegeln vor allem die Pionierzeit des Radios in Österreich von 1924 bis 1938 wider. Ein Produkt der Nachkriegszeit waren die Radiosendungen des amerikanischen Besatzungssenders in Österreich „Rot-Weiß-Rot“ aus der Zeit von 1947 bis 1955. Neben Unterhaltungsmusik umfasst der Bestand Kurzreportagen, Diskussionssendungen, Hörspiele, Kindersendungen, politische Reden, Informationssendungen zu wirtschaftlichen Themen, Englischsprachkurse, Kulturreportagen etc. Ebenfalls Eingang in die „Memory of Austria“-Liste fanden die im Zeitraum von 1965 bis 2000 hergestellten Tonaufnahmen der Österreichischen Mediathek. Diese umfassen Mitschnitte von literarischen Lesungen, politischen Diskussionen, Aufnahmen von musikalischen Veranstaltungen und von wissenschaftlichen Vorträgen. Darin enthalten sind Originalaufnahmen von bedeutenden Persönlichkeiten aus dem österreichischen Kultur- und Geistesleben: Ilse Aichinger, H. C. Artmann, Ingeborg Bachmann, Elias Canetti, Heimito von Doderer, Anna Freud, Peter Handke, Ernst Jandl, Elfriede Jelinek, Ernst Krenek, Konrad Lorenz u.v.a.m.


Dr. Gabriele Fröschl, Studium der Geschichte in Wien, seit 2000 in der Österreichischen Mediathek des Technischen Museums Wien. Schwerpunkte: wissenschaftliche Projekte, Internetprojekte und Dokumentation. Seit 2011 Leiterin der Österreichischen Mediathek.

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