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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Österreichisches Verzeichnis

Seit dem Beitritt Österreichs zum Übereinkommen ist die Österreichische UNESCO-Kommission mit der Erstellung eines nationalen Verzeichnisses des immateriellen Kulturerbes in Österreich  betraut. Jede gelistete Tradition trägt in ihrer Individualität dazu bei, über die Bundeslandgrenzen hinaus die kulturelle Vielfalt und den großen Reichtum an lebendigem Kulturerbe in Österreich verständlich zu machen.  
Bewerbungen werden ganzjährlich entgegen genommen. Nähere Informationen zum Bewerbungsablauf und zu den Kriterien finden Sie hier.

Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich

Rundtanzen am Eis in Wien

Das Rundtanzen am Eis ist ein auf das Eis übertragener Gesellschaftstanz in einem abgegrenzten Tanzkreis auf Wiener Eislaufplätzen. Alle, die über das nötige Können verfügen, dürfen mitmachen. Es gibt kein festes Regelwerk. Die verschiedenen Schrittfolgen können frei an den Rhythmus der Musik angepasst werden und wie bei einer Wiener Ball-Veranstaltung wird mit wechselnden PartnerInnen paarweise oder zu mehrt getanzt.

Stegreifspiel der Tschauner Bühne

Die Tschauner-Bühne gilt als Europas letzte Stegreifbühne und befindet sich im 16. Wiener Gemeindebezirk. Die Freiluftbühne wird von Juni bis September täglich mit Uraufführungen bespielt. Zu den Stegreifstücken gibt es zwar grobe, teils jahrhundertealte Vorlagen, die SchauspielerInnen entwickeln ihre Rollen und Dialoge jedoch selbstständig im Rahmen von wechselseitigen Interaktionen auf der Bühne und mit dem Publikum. So ist jede Aufführung ein Unikat.

Untergailtaler Kirchtagsbräuche und Untergailtaler Tracht / Ziljski žegen in ziljska noša

Der Untergailtaler Kirchtag/ziljski žegen findet jährlich von Mai bis Oktober in zahlreichen Orten des Unteren Gailtales in Kärnten statt. Es setzt sich aus drei Hauptelementen zusammen: den Kirchtagsbräuchen mit dem Kirchgang, dem Kufenstechen/štehvanje und dem Lindentanz/prvi rej sowie dem autochthonen Liedgut und der am Kirchtag von den Mädchen und Burschen getragenen Untergailtaler Tracht/ziljska noša. Der Termin des Kirchtags in den einzelnen Orten orientiert sich an den Patroziniumsfesten...

Bräuche der Berg- und Hüttenleute an der Steirischen Eisenstraße

Das bergmännische Kulturerbe mit speziellen Tänzen und Liedern sowie einer eigenen Festtagstracht und Feierlichkeiten hat sich über die Jahrhunderte an der Steirischen Eisenstraße entwickelt. Es wird bis heute in der noch aktiven Bergbauregion um den Steirischen Erzberg praktiziert und spiegelt die Identität der Region wider. Der Schwerpunkt der heutigen Praxis findet rund um das Fest der Hl. Barbara, Patronin der Bergleute, am 4. Dezember statt.

Kripperlspiel des „Steyrer Kripperl“

Das „Steyrer Kripperl“ ist eines der letzten Stabpuppentheater im deutschen Sprachraum und wird bereits seit über hundert Jahren an einem fixen Standort im Innerberger Stadl von etwa 20 SpielerInnen des Vereins Heimatpflege Steyr zur Weihnachtszeit aufgeführt. Mündlich überlieferte Texte in Steyrer Mundart und originelle Stabpuppen, die mit der Hand gespielt werden, sind Teil der Praxis.

Flurnamen des Bundeslandes Tirol

Flurnamen in Tirol dienen bereits seit mehr als 2000 Jahren als Orientierungshilfe und erleichtern die Kommunikation innerhalb der Bevölkerung. Die Vermittlung des Wissens über Namen und Verortung wird durch Begehungen, Bearbeitung der Wirtschaftsflächen und über Erlebnisse sowie soziale Beziehungen durch (unbewusst) mehrfache Wiederholung garantiert und weitergegeben. Die etwa 120.000 Namen in den fast 300 Tiroler Gemeinden wurden zwischen 2007 und 2017 in Zusammenarbeit mit verschiedenen...

Lichtmesssingen im südlichen Niederösterreich

Beim Lichtmesssingen handelt es sich um einen Heischebrauch, bei dem in der Nacht vom 1. – 2. Februar, an Maria Lichtmess, in etwa 20 Ortschaften im südlichen Niederösterreich jeweils eine oder mehrere Sängerscharen von Haus zu Haus ziehen und Glückwünsche überbringen. Die HausbewohnerInnen bedanken sich mit Bewirtung im Anschluss und/oder Geldspenden, welche heutzutage vielerorts für karitative Zwecke verwendet werden. Ein Lichtmessmahl wird in den Tagen danach ausgerichtet.

Neckenmarkter Fahnenschwingen

Das Neckemarkter Fahnenschwingen wird vor allem am „Tag der Fahne“ oder „Umgangssonntag“, dem Sonntag nach dem Fronleichnamsfest, aber auch bei anderen Feierlichkeiten in der Gemeinde Neckenmarkt seit Jahrhunderten abgehalten. Das Wissen um die Durchführung (Sprüche, Technik des Schwingens, Rollenverteilung, etc.) wird innerhalb der verantwortlichen Burschenschaft und Gemeinde von einer Generation an die nächste weitergegeben.

Viehumtragen am Fest des Hl. Georg

Beim „Viehumtragen“ handelt es sich um einen „Votivbrauch“, der bereits seit unzähligen Jahren am 23. April (Fest des Hl. Georg) in der Pfarre in St. Georgen im Pinzgau praktiziert wird und von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Dabei bitten die „Viehleut“ (bäuerliche Bevölkerung) unmittelbar vor Beginn der sommerlichen Almsaison den Hl. Georg um „Reim“ (Glück) für ihr Vieh, in dem sie ausgewählte aus Holz geschnitzte Tierfiguren vor dem Altar platzieren.

Rieselbewässerung im Tiroler Oberland

Bei der Einreichung handelt es sich um eine jahrhundertealte Bewässerungsmethode der inneralpinen Trockengebiete. Über eine Einkehr wird Wasser von einem Bach in den Hauptwaal (Kanal) geleitet, in dem es bei geringer Neigung zu den zu bewässernden Grundstücken fließt. Die einfache aber effiziente Methode der Bewässerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen wird heute von neun Genossenschaften in acht Gemeinden des Tiroler Oberlandes praktiziert.

Dombauhüttenwesen in Österreich (St. Stephan und Mariendom Linz)

Seit Jahrhunderten werden in der Dombauhütte St. Stephan und der Dombauhütte Mariendom Linz/Donau Techniken zur Restaurierung und Instandhaltung historischer Bauwerke wie auch soziale Praktiken und Rituale von Generation zu Generation weitergegeben. Das Bauhüttenwesen trägt somit zur permanenten und nachhaltigen Pflege des jeweiligen Domes bei und ist ein Garant für die Erhaltung und Weitergabe traditioneller Handwerkstechniken.

Goldschlägerhandwerk (Gold-, Silber- und Metallschläger*innen)

Die Blattgoldherstellung ist eine jahrtausendealte Handwerkstechnik, die heute in Österreich von nur mehr zwei Blattgoldschlägereien (in Wien & Schwechat) ausgeübt wird. Dabei wird das kostbare Edelmetall in seiner Oberfläche so stark vergrößert, dass der Symbolcharakter des Goldes auf eine möglichst große Fläche übertragen werden kann. Das Wissen um die Handwerkstechnik wird innerhalb der Betriebe von einer Generation an die nächste weitergegeben.

Lärchenharz-Gewinnung

Bei der Lärchenharz-Gewinnung wird durch ein baumschonendes Verfahren, Lärchenharz oder Lärchenbalsam gewonnen. Dabei wird ein Bohrkanal in die Harztasche des Baumes gelegt, der bis zur Ernte (die allgemein in Zweijahresintervallen stattfindet) mit einem Lärchenholz-Pfropfen verschlossen ist. Harzer und Land- und Forstwirte sind im Kärntner Gurk- und Metnitz- und Görtschitztal und im Gebiet um Neumarkt in der Steiermark in die Lärchenharz-Gewinnung involviert. Technik und Regeln werden seit...

Pflasterer Handwerk

Das Pflasterer Handwerk ist ein nachhaltiges Handwerk, das schon seit Jahrhunderten von Menschenhand hergestellt wird und sich kontinuierlich mit dem Stand der Technik weiterentwickelt. Das Handwerk des Pflasterers wurde früh zu einem eigenständigen Beruf, und ist in Österreich heute ein reglementiertes Gewerbe, in dem das handwerkliche, historische Wissen an nächste Generationen mündlich und praktisch weitergegeben wird.