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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Lichtmesssingen im südlichen Niederösterreich
Gesellschaftliche Praktiken in Niederösterreich, aufgenommen 2018

Beim Lichtmesssingen handelt es sich um einen Heischebrauch, bei dem in der Nacht vom 1. – 2. Februar, an Maria Lichtmess, in etwa 20 Ortschaften im südlichen Niederösterreich jeweils eine oder mehrere Sängerscharen von Haus zu Haus ziehen und Glückwünsche überbringen. Die HausbewohnerInnen bedanken sich mit Bewirtung im Anschluss und/oder Geldspenden, welche heutzutage vielerorts für karitative Zwecke verwendet werden. Ein Lichtmessmahl wird in den Tagen danach ausgerichtet.

Die Strophen des Lichtmesslieds überbringen mit religiösen und weltlichen Texten Glückwünsche und oftmals auch heitere oder spontane Inhalte. Ein Vorsänger singt die tradierten oder neu getexteten Strophen, während der Chor, die „Nochisänger“, die Kehrverse präsentieren. Die Strophe „Mir hörn die Schlüssel scho klingen, sie werdn uns glei wos bringen“ ist beispielsweise die Aufforderung an die HausbewohnerInnen, die Türe zu öffnen. Im Anschluss an den Vortrag des Liedes werden bei der Bewirtung durch die BewohnerInnen fröhliche Begebenheiten ausgetauscht sowie Probleme im Gemeindeleben besprochen.
Das Vortragen des Lichtmessliedes, z.B. die Melodiefolge, sowie der Umgang mit den gesammelten Spenden variiert von Gemeinde zu Gemeinde und hält eine identitätsstiftende Wirkung für die Gemeinschaften bereit. Während beim Singen hauptsächlich Männer involviert sind kommen beim späteren Lichtmessmahl, welches meistens ein paar Tage später stattfindet, Frauen wie auch Männer zusammen.
Der älteste Nachweis des Lichtmesssingens im südlichen Niederösterreich stammt aus dem Jahr 1896 wobei anzunehmen ist, dass der Brauch schon viel länger ausgeübt wird. Obwohl es einige Aufnahmen von Lichtmessliedern gibt, werden diese nach wie vor mündlich innerhalb der Sängerscharen von einer Generation an die nächste gegeben. Abnehmendes Interesse der Ortsbevölkerung sowie Nachwuchsprobleme stellen Herausforderungen dar, und sollen durch das Einbinden der Jugend ins Lichtmessingen sowie die lebendige Ausübung des Brauches überwunden werden. 

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