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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Viehumtragen am Fest des Hl. Georg
Gesellschaftliche Praktiken in Salzburg, aufgenommen 2018

Beim „Viehumtragen“ handelt es sich um einen „Votivbrauch“, der bereits seit unzähligen Jahren am 23. April (Fest des Hl. Georg) in der Pfarre in St. Georgen im Pinzgau praktiziert wird und von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Dabei bitten die „Viehleut“ (bäuerliche Bevölkerung) unmittelbar vor Beginn der sommerlichen Almsaison den Hl. Georg um „Reim“ (Glück) für ihr Vieh, in dem sie ausgewählte aus Holz geschnitzte Tierfiguren vor dem Altar platzieren.

Der Brauch des Viehumtragens, der bis etwa 1400 zurück verfolgbar ist, hat sich seither stark gewandelt. Während in den Anfängen lebendige Tiere für den Klerus gespendet (nicht in Form von Schlachtung) wurden, werden heute Geldspenden sowie Holzimitate gebracht. Die heute verwendeten Tierfiguren wurden 1967/68 von SchülerInnen der Volksschule in St. Georgen geschnitzt und immer wieder von SchülerInnen der Schule und Schulen aus der Umgebung erneuert.

Der Brauch vermittelt das Gefühl von Kontinuität und Identität für die Gemeinschaft in St. Georgen. Letzteres vor allem durch die Ausführung des Brauches in der Zeit des Nationalsozialismus, der katholische Identitätsfeierlichkeiten – speziell Fronleichnam – zurückdrängen wollte. (Expertise Bucher) Vor allem für die bäuerliche Bevölkerung, die unmittelbar Ausübende des Brauches sind, aber auch die nichtbäuerlichen Gemeinde- und Pfarrangehörigen stellt das „Viehumtragen“ eine wichtige festliche Tradition dar. Örtliche Vereine, wie die Trachtenmusikkapelle, umrahmen den Brauch; Kinder der Volksschule werden durch verschiedenste Aktivitäten vorbereitet und nehmen gemeinsam am Festtag teil. Da die Feierlichkeit unabhängig vom Wochentag immer am 23. April stattfindet, ist es oft für unselbständige ArbeitnehmerInnen problematisch am Festtag teilzunehmen. Eine höhere Wertschätzung soll durch gezielte Vortragstätigkeiten bei den örtlichen Vereinen, ArbeitgeberInnen und Schulbehörden, erreicht werden. Weiters besteht die Idee, wieder lebendige Tiere zur Kirche zu bringen und diese symbolisch und stellvertretend für alle Nutztiere zu segnen. 

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