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Vielfalt kultureller Ausdrucksformen

Freiräume für Kunst und Kultur  
Foto: © Caroline Minjolle

UNESCO-Weltbericht: Kultur Politik neu | gestalten

Ein Jahrzehnt der Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen – der Weltbericht „Kultur Politik neu | gestalten“ zieht erstmals Bilanz über die weltweiten Bemühungen, die UNESCO-Konvention über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen umzusetzen.

Das Resümee des Weltberichts 2015 ist eindeutig: Die UNESCO-Konvention hat die Herangehensweise an Kulturpolitik grundlegend verändert und in allen Weltregionen maßgeblich beeinflusst. Trotz zahlreicher Fortschritte besteht jedoch weiterhin Handlungsbedarf, um die Ziele der Konvention zu erreichen. Zu den aktuellen Herausforderungen zählen insbesondere die Erleichterung der transnationalen Mobilität von KünstlerInnen, der Schutz der Kunstfreiheit, die Geschlechtergleichstellung sowie der Zugang zu internationalen Märkten.

Neue Trends der Politikgestaltung

Der Weltbericht stellt fest, dass sich kulturpolitische Maßnahmen zunehmend auf die Stärkung der kulturellen Wertschöpfungskette konzentrieren: Schaffensprozess, Produktion, Vertrieb/Verbreitung und Zugang. Ein wesentlicher Fortschritt dabei ist das breitere Verständnis von Kulturpolitik, das nunmehr auch Maßnahmen und Mechanismen umfasst, die normalerweise nicht in die Kompetenz der Kulturministerien fallen.

Angesichts der zunehmenden Bedeutung der öffentlich-rechtlichen Medien und der digitalen Technologien für die Vielfalt an kulturellen Inhalten, wird der Bedarf an integrierten Politikansätzen weiter steigen. So sind Gesetze über die Informationsfreiheit, Telekommunikationspolitik sowie Fragen des elektronischen Handels und der Internet-Governance zunehmend kulturpolitisch bedeutsam.

Neben der Einbindung von AkteurInnen verschiedener Politikbereiche und -ebenen, ist auch die Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Erarbeitung und Umsetzung von Politiken entscheidend. Solide Partnerschaften zwischen der Zivilgesellschaft und öffentlichen Entscheidungsträgern fehlen jedoch nach wie vor in vielen Regionen der Welt.

Anhaltender Handlungsbedarf

Besonderen Handlungsbedarf zeigt der UNESCO-Bericht beim weltweiten Austausch von kulturellen Gütern und Dienstleistungen sowie der Künstlermobilität auf. Hier ist die Staatengemeinschaft noch weit von einem ausgewogenen Verhältnis entfernt – obwohl die Konvention von Industriestaaten fordert, ihre Märkte für kulturelle Güter und Dienstleistungen aus Entwicklungsländern zu öffnen und die Mobilität von Kunst- und Kulturschaffenden aus dem globalen Süden zu erleichtern.

Eine große Diskrepanz zwischen den Prinzipien und Idealen der Konvention und der Realität besteht insbesondere im Bereich der Mobilität von Kunst- und Kulturschaffenden aus Ländern des globalen Südens. Bis dato scheint die Umsetzung der Konvention nicht zur Steigerung dieser Mobilität beigetragen zu haben. Mobilitätshindernisse für Kunst- und Kulturschaffende bestehen durch die steigenden sicherheitsbezogenen, wirtschaftlichen und politischen Einschränkungen, insbesondere im globalen Norden.

Im Bereich des Handels betrug der Gesamtwert der 2013 weltweit exportierten Kulturgüter 212,8 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 46,7 Prozent auf Entwicklungsländer. Nimmt man allerdings China und Indien aus dieser Kategorie aus, zeigt sich, dass die überwiegende Mehrheit der Entwicklungsländer nach wie vor nur eine marginale Rolle im Kulturgüterexport spielt. Im Bereich der weltweiten Exporte an kulturellen Dienstleistungen (z.B. Filme, Musik oder Bücher, die aus dem Internet heruntergeladen werden, Tanz- oder Musikaufführungen, etc.) ist diese Asymmetrie noch stärker ausgeprägt. Nur 1,6 Prozent aller weltweiten Exporte an kulturellen Dienstleistungen entfielen 2013 auf Entwicklungsländer. 

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© Ann Sang-soo, the 559th hangeul day poster, 2005