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Immaterielles Kulturerbe

Bräuche, Wissen, Handwerkstechniken  
Foto: © UNESCO/James Muriuki

Rieselbewässerung im Tiroler Oberland
Umgang mit der Natur in Tirol, aufgenommen 2018

Bei der Einreichung handelt es sich um eine jahrhundertealte Bewässerungsmethode der inneralpinen Trockengebiete. Über eine Einkehr wird Wasser von einem Bach in den Hauptwaal (Kanal) geleitet, in dem es bei geringer Neigung zu den zu bewässernden Grundstücken fließt. Die einfache aber effiziente Methode der Bewässerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen wird heute von neun Genossenschaften in acht Gemeinden des Tiroler Oberlandes praktiziert.

Die Rieselbewässerung im Tiroler Oberland zeichnet sich durch ihren effizienten und ausgewogenen Umgang mit Wasser aus. Die über Jahrhunderte tradierten handwerklichen und technischen Fertigkeiten im Anlagenbau und die Regelwerke zur gerechten Wasserverteilung ermöglichen den nachhaltigen Umgang mit Wasser und prägen die Kulturlandschaft des Tiroler Oberlands und seine Biodiversität.
Der Bau und Unterhalt der Bewässerungsanlagen ist nur in Gemeinschaftsarbeit der Genossenschaften möglich und das Erfahrungswissen sowie ein Ausdruckskatalog spezifischer Begriffe, wie ‚Frondienst’, wurden über Generationen gesammelt und mündlich tradiert. Innerhalb der Genossenschaften wird jeweils ein Waalmeister gewählt, der für die Instandhaltung und gerechte Verteilung zuständig ist. Ein gemeinsames Regelwerk trägt zur Konsensfindung bei und stärkt die sozialen Bindungen innerhalb der Dorfgemeinschaften.
Die Bewässerungsmethode wird oftmals als nicht mehr zeitgemäß und ökonomisch ineffizient angesehen und der Druck, die Anlagen auch für andere Zwecke zu verwenden (z.B. zur Energiegewinnung), steigt. Die Genossenschaften verfolgen das gemeinsame Ziel, die Bewässerungssysteme zu erhalten und nach alten Verfahren auszuüben, um so dem Verlust an Wissen entgegenzuwirken. Besonders wertvoll ist das Wissen der Waaler, wenn bei Unwettern das System durch Hochwasser oder Muren gefährdet ist. Projekte der Gemeinden sollen die Bewässerungsmethode der ansässigen Bevölkerung und Gästen näherbringen. Öffentlich begehbare Wege an den Anlagen sowie Projekte mit Schulen sind Teil davon.

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